Von August 2014 bis Juli 2015 habe ich in Mosambik gelebt und gearbeitet. Auf diesen Seiten werde ich von einige Eindrücke und Erfahrungen von meinem Freiwilligendienst in Maputo, der Hauptstadt, berichten. Bitte bedenkt, dass lediglich meine persönliche Sicht auf die Dinge hier zu lesen sein wird und dies nicht zu verallgemeinern ist! Es freut mich, dass ihr hier her gefunden habt!

Samstag, 14. März 2015

im moment … LEBEN!


Jetzt geht es los, mit großen
Schritten mitten ins Leben hinein.
Noch ein wenig, nicht mehr weit
ist der Weg zum Glück.
Er führt vorbei an Zauber,
wunderbaren Momenten und
zwischendurch begegnest du dir selbst.
Nebenbei, nicht am Ende der Wände
findest du zu dir, allein.
So fühlst du dich anfangs
verloren in der neuen Welt.
Begreifst noch nicht,
was sie im Inneren zusammen hält.
Zwei Schritte nach vor, wieder einen zurück -
Diese Welt, sie ist dir plötzlich zu
– SCHNELL!
Die Zeit jagt hinter dir her
und auf einmal hörst du
dich „Heimat“ sagen, wenn du mit
Fremden über deinen Weg sprichst.
Sprichst über rasante, brisante
Achterbahnfahrten, die sich
im wilden Strom deiner
Heimatgefühle verlieren.
Wo dein zu Hause ist, weißt du
schon längst nicht mehr.
Heimat ist eine Reise
zu dir selbst, die dich über
die höchsten Berge führt.
Unbewusst überquerst du Grenzen,
im Kopf, auf der Karte.
Die Wohl größte Grenze
zu dir selbst –
ist noch nicht gebrochen.
Denn noch lebst du im Moment,
willst noch nicht ans Ziel
– Wo ist das eigentlich?
Der Weg führt dich dort hin,
wo du hingehörst.
Und jetzt schließ' deine Augen

und flieg.



Schreibpause. Urlaub. Neues.

Eure Anni :)

Freitag, 6. März 2015

Cada dia e especial.

Hallo meine Lieben,

ja ja ja, ich weiß. Ich bin zu spät dran, aber wie das nun mal so ist, wenn alles funktionieren soll, geht natürlich genau am Anfang der Woche mein Internetstick kaputt. Aber hier ist er endlich, der lang ersehnte Eintrag über die vergangenen 2 ½ Wochen!

In der vergangenen Zeit ist eigentlich nur Alltägliches passiert, wovon ich euch dennoch gern berichten möchte. Die dritte Februarwoche war gefüllt mit trabalho, Arbeit. Auch, wenn wir immer noch nur Halbtags arbeiteten, verlangten unsere Kinder dennoch viel Aufmerksamkeit und Energie von uns. Genauso lief es auch beim Training: Viel Anstrengung und dennoch eine Menge Spaß! Dennoch habe ich so langsam gemerkt, dass mich die Situation mit unserem „Saal“ schon etwas genervt hat.
EINSCHUB FÜR DIE KOMMENTIERFREUDIGE KATHI: Was tanzen wir dort eigentlich? Ich tanze mit der Gruppe namens Milorho. Hier lerne ich zur Zeit 2, später bis zu 8 traditionelle, mosambikanische Tänze. Manche von ihnen beinhalten auch Gesangsparts, größtenteils werden aber die Hüften geschwungen und die Beine in die Luft geworfen. Dazu kommen spaßige Ausrufe und fertig ist die absolute Show!
Am Dienstag habe ich mich mal wieder in den Portugiesisch-Unterricht rein gesetzt. Elias ist immer noch der selbe, verplante Lehrer, den auch wir vor einem halben Jahr kennen lernen durften. Seine Stunden ziehen sich aber auch hin… Am Donnerstag fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt, um Anna Gesellschaft zu leisten, die ihrer Freundin Anna aus Deutschland beim Haare flechten zusah. 4 Stunden haben 4 Frauen ihre langen und dicken Haare geflochten. Stellt euch vor, das macht eine Frau sozinha... Am Freitag Nachmittag wusste ich dann, das dieses Wochenende doch ziemlich anstrengend werden könnte. Geplant waren allein am Freitag drei Stationen für verschiedenste festas. Zuerst ging es wie immer in die Associacao, danach zur Abschiedsfeier eines guten Freunds aus Italien und letztendlich wurde bis in die Morgenstunden im parque dos continuidores getanzt. Es war mal wieder eine gute Nacht, die ich irgendwie auch gebraucht habe. Das besondere: Seit einer gefühlten Ewigkeit waren wir (zumindest in der Associacao) mal wieder alle vollständig! Ich fand es sehr schön, mal wieder mit allen reden zu können. Am Samstag Nachmittag fuhr ich dann mit Hannah und Greta zu Hbonny nach Hause, der uns alle zum Xitike de Matapa eingeladen hatte. Matapa ist ein traditionelles, mosambikanisches Gericht, welches in erster Linie aus einer bestimmten Pflanzensorte, Kokos und Erdnüssen hergestellt wird. Dazu wurde wahlweise Xima oder Arruz serviert. Wir schlugen uns also unsere barigas voll und fuhren am Abend wieder Richtung Heimat. Zu Hause angekommen, total übermüdet von der vorherigen Nacht, standen 10 Minuten später auch meine Gastmutter, Aillen und meine verschollene Gastcousine Nany vor der Tür. Gledice schaute mich mit großen Augen an und bat mich, noch ein Mal in die cidade zu fahren, da sie Nany wegbringen wolle und Angst hat, danach allein nach Hause zu fahren. Als wenn es für zwei Frauen, bei der eine auch noch branca ist, nicht so perigoso wäre, nach Mitternacht noch durch die Straßen Maputos zu fahren... Dennoch tat ich ihr den Gefallen, denn wie ich auf der Autofahrt erfuhr, war dies gleichzeitig der Zeitpunkt, um Abschied von Nany zu nehmen. Sie sollte am nächsten Tag nach 3 ½ Monaten in Maputo wieder nach Quelimane fahren. Am selbigen Tag fuhr ich mit Gledice, nachdem wir beide ausschliefen, nach Zimpeto zu unserer dort lebenden Familie. Nach langer Zeit sah ich einen Großteil der familia wieder, die mich immer unheimlich herzlich aufnehmen. So auch dieses Mal: Mal saß ich mit der Cousine vor dem Fernseher und habe Big Bang Theory geschaut, saß mit dem Onkel auf der Couch und erzählte Geschichten der vergangenen 7 Monate (SIEBEN!!!!!!!!!!!) oder zupfte mit der Tante Erdnüsse von ihren Stielen, um sie später zu kochen oder zu rösten. Es war ein entspannter Sonntag, der mich wieder näher an meine Familie geführt hat. Ich denke, auch Gledice hat gemerkt, dass ich genau das wieder gebraucht habe, um wieder etwas öfter zu Hause zu sein…
In der kommenden Woche starteten Hannah und ich das Volltags-arbeiten-Program. Das heißt, dass wir nun nicht schon zum Mittag essen gehen, sondern den Babys wieder beim Essen helfen, den Schulkindern, die gegen 13 Uhr aus der escola kommen, Essen ausgeben, die Kinder entweder schlafen legen oder sie in den „Ruhestunden“ leise beschäftigen. Zwischen 15 und 16 Uhr heißt es dann dennoch Feierabend für uns. Die Woche war nicht nur durch die nun längeren Arbeitszeiten sondern auch durch einen besonderen Besuch anders als die vorigen. Alisa, die zusammen mit Carla im letzten Jahr hier gearbeitet hat, ist zur Zeit für 4 Wochen wieder in Mosambik und besuchte uns am Mittwoch, um die Kinder mal wiedersehen zu können. Life drückte sogar eine kleine Träne heraus, als er seine Tia Alisa wieder in die Arme schließen konnte. Dieser Tag war wirklich sehr schön, und ich freue mich schon sehr drauf, wenn Alisa demnächst nochmal vorbei schaut! Das einzige, was in der Woche total ins schleifen gekommen ist, war das Tanzen. Nachdem ich am Montag erst richtig motiviert joggen und anschließend tanzen ging, war ab Dienstag einfach die Luft raus. Mich hat jetzt denke ich endgültig die Raumsituations-Depression gepackt, dass ich mich irgendwie nicht mehr motivieren kann. Ich werde im April wohl wieder anfangen, vielleicht auch nächste Woche. Wer weiß das schon… Dennoch war auch das anstehende Wochenende wieder entspannt: Associacao, Familie, Familie, Familie. Am Samstag stand der Geburtstag einer Cousine an, auf den ich mich schon lange gefreut hatte, weil SIE persönlich es war, die mich eingeladen hatte. Ein Zeichen für mich, dass ich in ihrem Kopf zur Familie gehöre. Das macht mich wirklich glücklich! Dennoch lief an diesem Abend in Zimpeto einiges schief, was schlechte Laune bei Gledice auslöste, aber das ist eine andere Geschichte.
Diese Woche startete, wie erwartet, wieder mit Arbeit, Arbeit Arbeit. Allerdings haben wir uns so langsam gut zusammen eingearbeitet, sodass wir seit Ende letzter Woche begannen, vor allem mit den Mädchen, die erst am Nachmittag oder noch gar nicht zur Schule gehen, contas (Matherechenaufgaben) zu machen. Am Ende der Woche bin ich mit einem der Mädchen bereits bei schriftlicher Multiplikation angekommne. Na, wisst ihr noch wie das geht? Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird! Als Ausgleich gab es dann Ausmalbilder oder einfach weißes Papier und Buntstifte, mit denen die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten. So langsam kommt wieder ein System in die Arbeit und ich merke, dass mich genau das näher zum Projekt und vor allem den Kindern bringt. Auch diese Woche sollten wir wieder ganz besonderen Besuch bekommen: Lili, eine der ersten Freiwilligen überhaupt in Mosambik (über unsere Organisation) kam am Dienstag mach Liberdade, da auch sie zur Zeit in Mosambik Urlaub macht. Ich war erstaunt, dass sie, trotz den mittlerweile 8 vergangenen Jahren dennoch noch einige Leute, wie zum Beispiel Tia Sandra und Ana-Paula, kannte. Nichtsdestotrotz war sie sehr schockiert von den jetzigen Zuständen im Projekt. Sie hatte damals noch in einem anderen Zentrum gearbeitet, welches aber später (aus uns unbekannten Gründen) geschlossen wurde. Dadurch kam es wahrscheinlich (zum Beispiel) auch, dass bei uns aktuell so viele Kinder leben. Ein Zustand, der meiner Meinung nach keine Dauerlösung sein darf! An diesem Dienstag stand auch noch etwas Anderes, nicht so Alltägliches auf dem Programm: Gledice hatte am Nachmittag ihre Abschlusspräsentation, womit sie den zweiten Teil an der Universität endlich abschließen sollte. Nach einem 15 minütigen Vortrag und einer fast zweistündigen Fragerunde und Auswertung, stand das Ergebnis schließlich fest: 14 von 20 Punkten und somit ab sofort offiziell ENGINIEIRA der Telekommunikation! Ganz stolz war (und bin) ich auf sie! Gefeiert wurde danach mit einer riesigen Double-Pizza sowie einem weiteren Essen mit den Nachbarn am Abend. Schön, dass ich die Ehre hatte, mir ihren Vortrag anhören zu können und somit bei diesem besonderen Moment dabei gewesen sein zu können.

Das war es eigentlich auch schon wieder. Fragen, Anregungen, Confusao? Dann meldet euch bei mir durch die Kommentarfunktion! Lasst euch aus, ich schreibe doch auch alle zwei Wochen meine Gedanken für euch nieder ;)
Wie schon beim letzten Mal erwähnt werde ich schon bald eine Weile nicht mehr in Maputo sein. Es geht auf Reise, eine Reise, die mir besonders am Herzen liegt! So gut wie alles ist geplant, organisiert und auch die Vorfreude steigt immer mehr. Noch liegt eine Woche Arbeit mit den criancas, Hannahs Geburtstag und noch so einiges alltägliches vor mir, bevor ich in Kapstadt auf den Tafelberg klettern werde. Ja, wenn ihr hier sein könntet, würdet ihr jeden Tag mehr spüren, wie aufgeregt ich mittlerweile bin!

Bis dahin verbleibe ich mit vielen beijinhos und Umarmungen aus der Ferne.
Sim, estou com saudades de voces, mas ainda nao quero voltar, desculpa.


Eure Anni :)

PS; Ist euch mal aufgefallen, dass es nicht einmal mehr 150 Tage sind, bis ich wieder auf deutschem Boden stehe? Komisch...

Chapa velho...
Trabalho...
Meninos ♥
Trabalho...
Life, tira!
Kunstwerke :)
Faculdade
PIZZAAAAAAAAA!
Wenn der Weg schön ist, lass uns nicht fragen wohin er führt.


Montag, 16. Februar 2015

Alltägliches Update

Hallo meine Lieben,

wenn ich in meinen Kalender schaue, ist es schon wieder an der Zeit, euch zu schreiben. Wenn ich allerdings nach meinem Gefühl gehe, habe ich das Gefühl, aus dem Schreiben schon gar nicht mehr raus zukommen – vergeht die Zeit denn wirklich so schnell? Wahnsinn, dass ich in nicht einmal mehr 170 Tagen schon wieder zu Hause sein und auf meine Zeit in Mosambik zurück sehen werde.
So richtig weiß ich ja nicht, worüber ich schreiben soll/möchte, aber wie ihr mich kennt, werde ich dennoch etwas finden. Also, los geht’s:

Anfang des Monats sollte endlich etwas wieder besser ins Laufen kommen, worauf ich so lang gewartet habe: meine Arbeit im Projekt. Vor zwei Wochen begleitete ich Hannah zu ihrem ersten Arbeitstag bei REMAR. Auch sie war vor allem von der Desorganisiertheit und den Zuständen im Projekt weniger begeistert, schloss die Kinder allerdings umso schneller in ihr Herz. Unser erster gemeinsamer Arbeitstag hat mir viel Hoffnung gemacht! Da ich allerdings immer noch vom Arzt „krank geschrieben“ war und der Arbeit somit noch die ganze Woche über fern bleiben sollte, musste sich Hannah die ersten Tag wohl oder übel dennoch allein durchschlagen. Diese Woche lief allerdings nicht wie alle anderen. Am Montag Nachmittag machte ich mich mit Greta, deren Nachbar und Hannah auf den Weg nach Marracuene, wo das bekannte Marabenta-Festival stattfinden sollte. Der Ort, den ich zuvor nur als sehr ruhig und klein kannte, verwandelte sich plötzlich in ein lautes, volles „Festivalgelände“, was meiner Meinung nach nicht mosambikanischer hätte sein können. Nachdem wir also etwas durch die Straßen und über das richtige Festivalgelände liefen, setzten wir uns letztendlich auf dem Gelände hin und aßen, quatschten, aßen, quatschten,.......... und auf einmal waren wir alle ganz schön müde. Ohne wirklich etwas vom richtigen Festival mitbekommen zu haben, entschieden wir uns, irgendwie noch zurück nach Maputo bzw. nach Matola zu fahren. Als wir endlich im Chapa saßen, sollte uns die bisher schlimmste Fahrt bevorstehen, die ich je miterlebt habe. Unser Chapafahrer war einfach so betrunken, dass er, als wir an der Station Benfica ankamen, nur noch nach von aufs Lenkrad viel und schlief. Immerhin sind wir da noch lebend heraus gekommen! Weiter ging es dann nach T3 und von dort schaffte ich es mit viel Glück wirklich noch nach Infulene, nach Hause. Meine Gastmutter hatte mich bereits informiert, dass keiner zu Hause sein wird. Dass dies aber bis 3 Uhr nachts der Fall sein wird, hatte sie nicht erwähnt. So saß ich also im Regen und in der Kälte (ja, der ausnahmsweise kälteste und unangenehmste Tag des gesamten Sommers!!!) vor verschlossener Tür, halb schlafend, und wartete. Wie es das Glück aber wollte, kam nach ca. einer Stunde ein Freund vorbei, der mich einlud, bei ihm im Haus zu warten. Zusammen mit Kumpels und seiner Familie verbrachte ich noch eine Stunde vor dem Fernseher, bis ich letztendlich völlig kaputt einschlief – und erst am nächsten Morgen wieder aufwachte. Heimlich schlich ich mich zu Hause rein, ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie sauer Gledice evtl. sein könnte. Doch alles ganz entspannt: Nercio war zwei Abende zuvor von fast 4 Wochen Arbeiten in Inhambane wieder nach Hause gekommen, sie waren die Familie besuchen und mein lieber Gastvater genoss seinen ersten „freien“ Abend einfach nur etwas zu sehr. Zudem hatte er die Schlüssel bei sich und keiner wusste, wo er nun eigentlich war. Eine im Nachhinein lustige Geschichte – diese Nacht muss ich dennoch nicht noch einmal erleben.An diesem Dienstag war dann Feiertag, „Tag der mosambikanischen Helden“, den ich jedoch mehr oder weniger komplett verschlafen habe. Die nächsten Tage besuchte mich Kati mal wieder in Maputo, um anschließend ihre Schwester aus Südafrika abzuholen. Mit ihr verbrachte ich zwei entspannte Abende in der Stadtwohnung und in der Associacao. Auch das Wochenende verlief eher entspannt: Associacao, Stadt, ein wenig shoppen und nach langer Zeit mal wieder an die Costa do Sol. Zudem besuchte ich zwei Freunde in ihrer Wohnung, die mich Abends noch zum Thai-Essen einluden. Ein insgesamt sehr schönes Wochenende, zumal zumindest alle anderen Freiwilligen aus der Stadtwohnung auf Reisen waren und ich somit auch in der Stadt endlich vieeeeeel Schlaf finden konnte.
Ab der darauf folgenden Woche ging dann der Ernst meines Freiwilligen-Lebens wieder los. Ich arbeite mit Hannah nun bis Mittags im Projekt, da sie die nächsten Wochen am Nachmittag Portugiesischunterricht haben wird. Zur Zeit ist es noch eher Eingewöhnungsphase, aber ich bin zuversichtlich, dass wir bald kleinere und größere Pläne machen werden. Kennt ihr noch dieses Spiel mit dem Gummiband zwischen den Händen, was man so gut wie ewig fortsetzen kann? Unsere Mädchen sind verrückt danach und auch Hannah und ich haben das Kind in uns wieder zum Leben erweckt! Und so kommen Tag für Tag Kleinigkeiten dazu, die der Arbeit zumindest von meiner Seite aus positive Punkte geben.
Was in der letzten Woche auch endlich wieder ins Laufen gekommen ist, ist das Tanzen. Ja, wir haben endlich wieder einen Raum, in dem wir wenigstens etwas trainieren können. Auch, wenn der Saal eigentlich viel zu klein ist und wir keine Livemusik haben können, tut es gut, wieder zu tanzen. Im Juni haben wir eine große Aufführung, bei der ich auch dabei sein darf. Dafür heißt es jetzt allerdings trainieren, trainieren, trainieren – und das in der unvorstellbarsten Hitze, die in Mosambik je herrschen könnte! Ehrlich, ich übertreibe nicht. Die letzte Woche war einfach nicht mehr angenehm…
Am Freitag (dem 13.) kam Kati dann mit ihrer Schwester aus Johannesburg wieder nach Maputo und wir verbrachten zusammen mit Hannah einen entspannten Abend in der Garanjinha. Am nächsten Morgen sollte ich FREIWILLIG um 6 Uhr aufstehen, um nach Matola zu fahren. Hier sollten wir von 8 bis 11 Uhr ein „offenes Training“ haben. Aufgrund von angekündigten 40°C war die Teilnehmerzahl eher beschränkt. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, aber die Hitze und die kurze Nacht zuvor hatten mich doch zu sehr in der Hand, sodass ich eine Stunde früher abbrechen musste. Dennoch habe ich etwas gefunden, was mich selbst Samstag Morgen aus dem Bett treibt und dazu bringt, eine Stunde weit zu fahren, nur um zu tanzen. Diese Motivation möchte ich ab jetzt zu jedem Training mitnehmen!
Der Rest des Wochenendes war dann wieder sehr entspannt und ich habe viel Zeit mit meiner Gastschwester Aillen verbracht. Diese Woche geht es also weiter mit arbeiten, tanzen und alltäglich Erledigungen – ein ganz normales Leben also, was sich in den letzten Wochen so richtig fest einspielt. Dennoch ist natürlich keine Woche so selbstverständlich, wie ich sie in Deutschland verbringe.

Zur Zeit plane ich eine tolle Reise nach Kapstadt Mitte März. Ich freue mich wahnsinnig darauf, für längere Zeit wieder heraus zu kommen und ein weiteren Teil dieser wunderbaren Erde kennen zu lernen. Wenn es soweit ist, werdet ihr hier bestimmt einen ausführlichen Reisebericht lesen können.

Bis hier hin soll es das aber erst einmal wieder gewesen sein. Irgendwie werde ich schreibfaul, weiß nicht mehr so recht, was für Gedanken ich noch mit euch teilen soll – ihr wisst doch eh schon so viel! Wer aber dennoch ein paar spezielle Fragen hat, darf diese gern in den Kommentaren hinterlassen. Ich versuche dann im nächsten Eintrag darauf einzugehen! Vielleicht habe ich dann auch mal wieder mehr Muße zu einem kreativeren Eintrag.

Eines kann ich euch aber mit Sicherheit sagen: Mein Leben in Mosambik wird definitiv nicht langweiliger. Jeden Tag erlebe ich einzigartige Augenblicke, lerne tolle Leute kennen und mache wunderbare Erfahrungen. Ich bin immer noch glücklich mit meiner Entscheidung, nach Mosambik zu gehen, sodass ich ein wenig Angst davor habe, mich bald für ein Studienplatz zu entscheiden. Aber davon möchte ich gerade noch nicht so viel wissen…

Bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit verschwitzten aber herzlichen Grüßen, Küssen, Umarmungen…


Eure Anni :)

Costa do Sol mit Kitesurfern und Maputos Skyline

Lifes tägliches Kopf- und Handstandtraining :)

Dienstag, 3. Februar 2015

Wer hat an der Uhr gedreht?

Hallo ihr Lieben,

Mehr als die Hälfte meiner Zeit ist nun schon vergangen und so durfte ich für meine Organisation und vor allem für die weltwärts-Forderung erneut ein Resumé ziehen. Was dabei zustande gekommen ist, seht ihr hier (Einiges wird sich doppeln, anderes kann vielleicht doch nochmal einen neuen Gedanken aufbringen lassen.):

Halbjahresbericht. Halbe Zeit. 6 Monate. Bitte was? Kann mich bitte jemand aufwecken und mir sagen, dass ich gerade erst angekommen bin? Ich habe jegliches Gefühl für Zeit verloren, genieße jeden Tag – LEBE jeden Tag in meiner neuen Heimat. Mir geht es gefühlsmäßig super, ehrlich gesagt so, wie ich es mir anfangs immer erträumt habe. Und dennoch hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber nein, ich liebe es. Mosambik ist ein Teil von mir – wird es immer bleiben.

Zum förmlichen Inhalt dieses Zwischenberichts:
Die Zeit seit dem letzten Bericht verlief holprig und war von vielen ungewöhnlichen Alltagssituationen geprägt. Seit Ende November/Anfang Dezember sind hier Sommerferien und so hieß es in meinem Projekt dreifache Belastung. Jeden Tag waren alle Kinder (ca. 60) rund um die Uhr im Haus. Für mich hieß das eigentlich Folgendes: Aktiv werden, Gruppen organisieren, Pläne machen. Realistisch betrachtet lief das dann doch anders ab: Absolute Überforderung, Desorganisiertheit, keine Absprachen. So kam es dazu, dass ich mich täglich einfach zu den Kinder setzte, wartete und keine zwei Minuten später von ihnen ein Programm vorgeschlagen bekommen habe. Eine für mich mittlerweile akzeptable Arbeitsmethode, da ich es schrecklich finde, den Kindern außerhalb ihrer Schulzeit (und vor allem in den verdienten Ferien) einen weiteren „Stundenplan“ aufzudrücken. Der Dezember wurde also trotz viel Durcheinander zu einer tollen Zeit, die meine Verbindung zu den Kindern nochmals enorm verstärkte. Vor allem zu den Jugendlichen Mädchen hatte ich eine starke Beziehung, doch aus persönlichen Gründen sind ca. 5 Mädchen geflohen – aus meiner Sicht teilweise verständlich, teilweise aber auch bedenklich: Wo sind sie? Was machen sie? Geht es ihnen gut? Doch sie wissen, dass sie mich immer erreichen können, wenn es ihnen mal nicht so gut gehen sollte oder wenn sie nur ein offenes Ohr brauchen. Ich habe diese Mädchen in mein Herz geschlossen, war jedoch immer traurig, dass unsere gemeinsame Zeit täglich damit ein Ende fand, dass ich in die „weite Welt“ entlassen und die Tür zwischen uns wieder fest verriegelt wurde. Ein Gedanke, der mich noch lange Zeit begleiten wird.
Eine Woche vor Weihnachten wurde ich krank, ich bekam eine Pilzinfektion unter meinem linken Arm und musste deshalb jeden Tag ins Krankenhaus, um behandelt zu werden. Genau in meiner letzten offiziellen Arbeitswoche. Dennoch wurde ich am Freitag Nachmittag zur Weihnachtsfeier meines Projekts eingeladen. Die Kinder haben sich sehr gefreut, mich wieder sehen zu können, auch wenn ich aufgrund meiner Behandlung etwas aufpassen musste. Es war eine riesige Freude, den Kindern beim Spielen zusehen zu können: Hüpfburg, Popcorn, Fußball, Kinderdisco, Spielzeug, welches sonst nie angerührt werden darf. All das zauberte ihnen funkelnde Sterne in die Augen, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Die darauf folgenden 3 Wochen hatte ich frei bekommen – Weihnachten, meinen Geburtstag und Neujahr sollte ich im Kreise meiner Familie feiern. Ein Tag vor Weihnachten stand ich also nach fast 5 Monaten erneut am selben Flughafen, der auch mich im August in Empfang nahm. Und dann öffnete sich die Tür: Meine Eltern und ihre Tränen lieferten sich einen spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen! Was für ein Gefühl, wenn das heimische Herz wieder anfängt, im richtigen Takt zu schlagen. In den nächsten 3 Tagen stellte ich ihnen im Schnelldurchlauf mein neues Leben in Maputo vor. Das verpflichtende Weihnachtsessen in meiner Gastfamilie war der perfekte Anlass, sich unser schönes Haus mal live anzusehen. Am nächsten Tag stand der Besuch in meinem Projekt an: Meine Eltern brachten ca. 45kg Weihnachtsgeschenke (Spenden von Familie, Freunden, Bekannten und vor allem Schüler(inne)n meiner ehemaligen Schule [TFG Strausberg]) für alle Kinder in Liberdade mit. Auch wenn diese Aktion mit viel Stress verbunden war, so genossen wir die Stunden mit den Kindern trotz winterlichen 38°C vollkommen. Dennoch wurde vor allem meinen Eltern in diesen Momente bewusst, dass es in meinem Projekt an so viel essenzielleren Dingen fehlt: funktionierende Toilettenspülungen, geschlossene Duschräume, ausreichend Betten für alle Kinder, pädagogisch ausgebildete Fachkräfte – das sind leider nur einige Beispiele.

Überladen von Maputos Dreck und Lärm machten wir uns am 2. Weihnachtsfeiertag auf Reisen. Unsere Tour führte uns durch Swaziland, wo wir unter anderem eine tolle Wanderung zu einem Wasserfall unternahmen, gefolgt von Südafrika, wo wir in den folgenden zwei Tagen Elefanten, Giraffen, Büffel, Nilpferde, Warzenschweine, Sträuße,... auf unserer 300km langen Strecke durch den Krüger Nationalpark aus nächster Nähe bestaunen konnten, wieder nach Mosambik an Strände wie Tofo, Bilene und Macaneta. Neujahr verbrachten wir gemeinsam mit den anderen ICJA Freiwilligen in Tofo, wo wir nach 5 Monaten einfach mal richtig durchatmen und Zeit für uns fanden. Schon einige Tage, tiefe Gespräche und unzählige einmalige Erlebnisse später standen wir wieder in Maputo, die Koffer dieses Mal gefüllt mit den ersten Mitbringseln: Weihnachtsgeschenke für die Familie und erste Souvenirs, die in 6 Monaten nicht alle in meinen Koffer passen würden. Wieder flossen Tränen, doch für mich steht fest: Nach Deutschland führt mich so schnell nichts mehr. Und dennoch weiß ich, dass ich im Juli nach Hause zurück kehren, umziehen und im Herbst mein Studium beginnen werde. Doch daran möchte ich gerade ungern denken.
Auch meine letzten Urlaubstage verbrachte ich noch einmal in Tofo, weit weg vom lauten Maputo, was ich dennoch immer mehr zu schätzen und zu lieben lerne. Dennoch tat es gut, einfach viel Zeit für mich selbst zu haben, mir Gedanken über die noch kommende Zeit zu machen und etwas mosambikanische Sonne zu tanken.
An meinem ersten Arbeitstag nach meinen Ferien freuten sich die Kinder unglaublich, mich wieder zu sehen. Auch, wenn die Ferien noch immer nicht vorbei und somit das absolute Chaos angesagt war, so organisierten sich die Kinder fast von selbst. Fast schon positiv geschockt ging ich an diesem Tag nach Hause. Am nächsten Tag wachte ich auf, krank. Mal wieder. Das wird wohl nie ein Ende haben. Da am Wochenende unser Midtermcamp stattfinden sollte, entschied ich mich, mich auszukurieren und danach wieder voll in die Arbeit einzusteigen. Das Midtermcamp wurde dann aus mehreren doofen Zufällen zu einem kleinen Reinfall, und dennoch genossen wir alle die Ruhe, wenn auch nur 30km entfernt von Maputo. Zurück in der Hauptstadt holten wir am 21.01. Anna sowie die neuen Freiwilligen ab. Die nächsten Tage zeigten wir ihnen die Stadt, kauften Handykarten für sie, nahmen sie schon einmal auf die erste kleinere Feier mit. In einem solchen Jahr wächst man schnell zu einer Familie vieler Fremder Personen zusammen, denn eines haben wir alle gemeinsam: Auf Reisen ist man nicht gern einsam. Und so nahmen wir es uns gern zur Aufgabe, ihnen ihre ersten mosambikanischen Erlebnisse zu vermitteln.
Die nächste Woche sollte wieder unter schlechten Wolken stehen: Meine Pilzinfektion war zurück, dieses Mal schlimmer und aus, auch für den Arzt, unerklärlichen Gründen. Seitdem bin ich also wieder täglicher Stammgast in der Klinik und genieße die klimatisierte Luft im Gegensatz zu den 35°C herrschenden Außentemperaturen.
Durch all diese mehr oder weniger geplanten Zwischenfälle war ich nun schon lang nicht mehr regelmäßig arbeiten. Für das neue Jahr hatte ich mir vorgenommen, mit AJUDE, unserer Organisation hier vor Ort nochmal das Gespräch zu suchen: Ich brauche dringend Unterstützung und wenn das nicht möglich ist, möchte ich wohl oder übel das Projekt wechseln wollen. Alles klärte sich recht bald und so wird Hannah, eine der neuen ICJA Freiwilligen, ab nächster Woche mit mir zusammen in Liberdade arbeiten. Ich wollte nie von den Kindern weg, liebe sie über alles, und dennoch merke ich, dass mein Projekt der Punkt in meinem Leben hier ist, der mich immer wieder zurück zieht. Es hindert mich daran, 100%ig glücklich zu sein. Dennoch bin ich optimistisch, mit Hannah jetzt einige Pläne angehen zu können und wieder genug Motivation zum arbeiten aufzubringen. Meine Rolle bei REMAR hat sich also dementsprechend noch nicht viel zum vorherigen Bericht geändert, was ich sehr schade finde. Meine Ziele sind dementsprechend auch noch die selben geblieben: Verständigungsprobleme durch AKTIVES Portugiesisch-Lernen vermeiden, aktiv werden, mehr Kontakt zu meiner Ansprechperson aufbauen, kleine Pläne und somit kleine Schritte wagen. Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit mit Hannah und ich denke, wir werden meine restlichen 6 und ihre 12 Monate dazu nutzen, den Kindern jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das ist die einzige Möglichkeit, das Projekt ein kleines Stück weiter nach vorn zu bringen und gleichzeitig für uns selbst dazu zu lernen.
Nun noch einige Worte zu meiner Gastsituation. Grundsätzlich hat sich seit dem 3-Monatsbericht nicht viel geändert, denn nach wie vor LIEBE ICH MEINE GASTFAMILIE! Sie sind toll, ich habe immer und immer mehr meine Freiheiten, fühle mich dennoch wie ein komplettes Familienmitglied. Meine Gastmutter kümmert sich wie eine Schwester um mich, wenn ich krank bin, fährt mich zum Krankenhaus, spricht mit mir über ihre Eheprobleme oder lästert einfach mal gern über ihren Chef. Auch meine Bindung zu meiner zweijährigen Gastschwester wächst von Tag zu Tag mehr. Sie geht seit dieser Woche in den Kindergarten – eine Sache, die uns für immer verbinden wird. Sie ist die kleine Schwester, die ich mir immer gewünscht habe, auch wenn es natürlich Zickereien gibt. In unserem Haus ist Besuch immer gern gesehen, sodass in den letzten 3 Monaten eine 16jährige Cousine mit uns zusammen gewohnt hat. Auch diese Erfahrung prägt mein Jahr hier, genauso wie die Arbeit, die durchfeierten Wochenenden mit den Freiwilligen oder die gemütlichen Kerzenschein-Rotwein-Abende mit meinen Gasteltern, wenn mal wieder der Strom ausfällt.
Dadurch, dass ich als komplettes Familienmitglied angesehen werde, beschwere ich mich mittlerweile über Verhaltensweisen oder Äußerungen, die mir, trotz viel Toleranz, „gegen den Strich“ gehen. Wir arbeiten als FAMILIE an der Bewältigung der Probleme, versuchen, die Ideen aller mit einzubringen und somit Kompromisse einzugehen. Ja, ich fühle mich wohl und ich möchte nichts an meiner Gastsituation hier ändern. Ich bin mittlerweile etwas mosambikanischer, meine Gastfamilie in einigen Situationen sogar schon europäischer geprägt, als in meinen ersten Monaten hier. Man lernt, die Probleme der anderen wirklich zu verstehen.


Meine Wahrnehmung zu meinem Gastland hat sich wieder um 180° gedreht. Ich liebe es hier, kann es mir wie gesagt kaum vorstellen, eines Tages wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Und doch komme ich zurück, denn ich muss hier einen klaren Abschluss finden. Ich weiß, dass ich hier Freunde, aber vor allem eine Familie gefunden habe, mit der ich dennoch in Kontakt bleiben werde, wenn ich wieder in meiner Heimat bin – oder zumindest in der einen Hälfte meiner Heimat. Eine Seite meines Herzens wird immer an Mosambik hängen, sich zurück sehnen und eines Tages wieder den Mut aufbringen, zurück zu kehren. Ich möchte an meinem Leben hier nicht mehr viel ändern: Ich habe endlich begonnen, regelmäßig zu tanzen, finde dadurch immer mehr Freunde. Ich liebe es, allein zu reisen, mir für mich selbst Zeit zu nehmen und kleine, wunderbare Ecken dieses kleinen Fleckchens Erde zu entdecken. Es ist erstaunlich, wie sehr mich dieses Land in seinen Bann gezogen hat und was es mich innerhalb dieses Jahres schon gelehrt hat und noch lehren wird. Ich bin stolz auf mich selbst, die ein oder andere schlimme Heimwehattacke oder genervte kranke Tage überstanden zu haben. Ein schlechter Tag in Mosambik ist nun mal auch nichts anderes mehr als ein schlechter Tag in Deutschland. Und so sollte es doch eigentlich sein.




Ich hoffe, euch hat der Eintrag gefallen. Der nächste kommt schon bald, denn es wird hoffentlich Neuigkeiten vom Projekt geben. Ab nächster Woche fange ich endlich wieder richtig an zu arbeiten und bin dann hoffentlich wieder komplett fit. Dieses ständige krank sein schwächt mich und meine Motivation, aber ich hoffe, dass ich mit Hannah zusammen einiges angehen kann. Seit also gespannt!!
Eure Anni :)

Mittwoch, 28. Januar 2015

Endlich kein Text - nur Bilder!


Ankunft am Flughafen - mit ein paar Tränen :)
Aillens Weihnachtsgeschenk! Wartet mal, da gibt's doch noch jemanden, der gerne Motorrad fährt!
Weihnachten im Projekt. DANKE für die vieeeeeeeeelen Geschenke!
Nur ein paar wenige Eindrücke. Hier: Mama :)

Und hier: Papa und Anni :)
Der erste Tag auf Tour auf den Weg ins bergige Swazi. Endlich raus aus der Stadt!
Unglaubliche Natur!

Und noch mehr...

Und einmalige Eindrücke im Krügernationalpark.

Pumba und seine Kinder :)

Nachdenklicher Elefant...
...und verspielte Affen.

Auch mehrere Flusspferde bekamen wir zu Gesicht.

Und unzählige Giraffen kreuzten unseren Weg.
Endlich 19! Ein etwas anderer Geburtstag - mitten im Nirgendwo, ohne Essen, ohne Gas.
Überschwemmte Dörfer aquf der Durchfahrt zur mosambikanischen Küste.
Der obligatorische Ananaskauf blieb nicht aus - und Unterhaltungen mit neugierigen Mosambikanerinnen,
Und alle treffen wir uns in Tofo :)
Herzlich willkommen, 2015!

Der erste Sonnenaufgang des Jahres...

Unterwegs...

Praia de Macaneta.

In Gedanken versunken die vergangenen Wochen an mir vorbei ziehen lassen.
Suchbild: Wer sieht's?
Danke, dass ihr da wart. Es war mir eine Ehre, euch meine neue Heimat zu zeigen, mit euch zu reisen und wieder eine neue Ecke dieses wunderbaren Planeten kennen zu lernen!

Mittwoch, 14. Januar 2015

Heimweh oder Fernweh?

TATATA - hier kommen sie. Die so lang ersehnten Berichte der vergangenen 3 Wochen. Nachdem meine Eltern sich bereiterklärten, ihre Eindrücke ebenfalls zum Besten zu geben, erwarten euch heute viele interessante Zeilen. Macht es euch gemütlich, legt nochmal Holz im Kamin nach und holt euch eine Tasse Kakao. Es geht los!

Mamas und Papas emotionale Eindrücke von unserem Urlaub

Wir müssen wieder heizen, uns warm anziehen und arbeiten gehen. Die Koffer sind ausgepackt, die Wäsche ist gewaschen, Mitbringsel sind verteilt und Souvenirs haben ihren Platz gefunden. Fotos und Filme haben wir uns schon mehrmals angeschaut. Was bleibt, sind vielfältige Erinnerungen an eine unvergessliche Reise nach Mosambik und die Gewissheit, dass es unserer Tochter in der Ferne gut geht, dass sie die Herausforderungen des Lebens meistert, dass sie für ein Jahr ein neues Zuhause gefunden hat. Fasziniert hörten wir zu, wenn sie locker und immer mit einem Lächeln im Gesicht portugiesisch sprach, auf Märkten um gerechte Preise feilschte, mit den Polizisten flirtete, damit die Geschwindigkeitsüberschreitung nicht allzu teuer wird oder sich mit ihren Kindern unterhielt, die voller Eifer und Freude die mitgebrachten Geschenke auspackten. Diese Sprachfertigkeit ist der Türöffner für Respekt und Anerkennung, erleichtert das Leben ungemein und hat uns immer wieder verdeutlicht: ja, Anni, du bist angekommen – und wir freuen uns mit dir.

„Chill mal“ wurde im Laufe der gemeinsamen Zeit zum geflügelten Wort – erst von Anni gebraucht, um uns zu beruhigen und zu sagen, es dauert hier alles etwas länger, aber es wird – irgendwann. Zum Ende der Reise waren wir es, die es immer wieder sagten, um keinen Stress vor der Abreise aufkommen zu lassen, um jede Stunde zu genießen, die wir in diesem schönen Land verbringen konnten.
Schönes Land? Der erste Eindruck war ernüchternd. Maputo ist eine lebendige Großstadt, laut und dreckig, immer wieder nach verbranntem Müll oder Urin riechend, mit allen Menschen auf der Straße, die diese Stadt zu bieten hat. Es wird auf der Straße verkauft, was man zum Leben braucht, am Abend öffnen sich Kofferräume von Autos, große Boxen tauchen auf und es wird Musik gehört und Bier getrunken. Als Autofahrer braucht man starke Nerven und Mut zum Drängeln, einen guten Blick für tiefe Schlaglöcher, jede Kreuzung wird zum Supermarkt der fliegenden Händler, viele Autos fahren mit Noträdern und lassen den Nachfahrenden in einer Russfahne fast ersticken. Diese Stadt kommt nicht zur Ruhe! Der zweite Blick bleibt dann an alten kolonialen Gebäuden hängen, nicht alle sind mehr in bester Verfassung, aber die Schönheit alter Tage ist zu erahnen. Der „Garten der Liebe“ überrascht mit blühenden Bäumen, vielen Pflanzen und Sträuchern, einem weitem Blick auf das Meer und die Costa da Sol nördlich von Maputo. Dank eines netten Cafes lädt der Garten auch zum längeren Verweilen ein. Nicht weit davon liegt der Kunstmarkt FEIMA, ein Paradies für Souvenirjäger, Kunstliebhaber und Treffpunkt multikultureller Paradiesvögel und Touristen aus aller Welt. Ein Besuch reichte für uns nicht, viele Dinge fanden den Weg in unseren Rucksack: eine mosambikanische Puppe, ein T-Shirt, Lederhandtasche, Halsketten, mehrere Holzschalen, ein schwebender Vogel aus Holz, ein Bild eines mosambikanischen Künstlers. Am Abend kam dann die kulinarische Überraschung – nicht weit von Annis Zuhause gab es bei einem vorweihnachtlichem „Imbiss“ leckerstes Grillfleisch und gut gekühltes Bier in einer Baracca, die von außen nach nichts aussah und in der wir uns drinnen aber umso wohler fühlten. Highlight war eine 3-Liter-Biersäule mit einem innen liegenden Kühlstab aus Eis – so konnte man am Tisch sein perfekt gekühltes Bier zapfen.
Je länger wir Mosambik erleben durften und so mehr wir sahen, umso schöner wurde es. Insbesondere die weißen Traumstrände in Tofo und Macaneta, das warme glasklare Wasser des Indischen Ozeans, die meist einfachen, aber sehr gemütlichen Unterkünfte in Bast- oder Lehmhütten verzauberten uns. Am Tag gekaufte frische Ananas wurde erst gut gekühlt und danach genüsslich verzehrt. Und irgendwann machte es auch nichts mehr aus, dass das Essen etwas länger dauerte, dass man hier augenscheinlich für alles Zeit hatte, viel Zeit. Wir begannen das Leben zu genießen. Am Ende waren wir es, die auf dem Flughafen Maputo zum Abschied weinten, weil wir dieses Land wieder verlassen mussten – während Anni noch 7 Monate Genussrechte besitzt.

Ein Schwerpunkt unserer Vorbereitungen auf diese Reise waren Geschenke – Weihnachtsgeschenke für die Kinder im REMAR-Projekt. Verwandte und Bekannte, aber auch Freunde und Schüler des TFG unterstützten uns in dem Bemühen, möglichst für jedes Kind eine kleine Überraschung einzupacken und auf den langen Weg mitzunehmen. Am 25. Dezember fuhren wir mit zwei voll gepackten Koffern nach Liberdade, voller Neugier auf den Arbeitsort unserer Tochter und auf die Augen der Kinder, wenn sie bei 30 Grad unter einem künstlichen Weihnachtsbaum die vielen Geschenke auspacken. Es war sicherlich ein Höhepunkt im Leben dieser Kinder – aber auch für uns die Erkenntnis, dass unser Bemühen nur ein klitzekleiner Beitrag war, um auf deren Lebenssituation Einfluss zu nehmen. Unsere Vorstellungen von einer kindgerechten Erziehung und Unterbringung, unsere Ansprüche an eine altersgerechte Beschäftigung und unsere Anforderungen an das pädagogische Personal unterscheiden sich doch sehr stark von dem, was wir sehen und erleben konnten. Umso mehr achten wir die Tätigkeit von Tia Sandra und unserer Tochter, die sich trotz vieler Einschränkungen, Unzulänglichkeiten und ungünstigen räumlichen Voraussetzungen tagtäglich mit viel Liebe um das Wohl der über 60 Kinder und Jugendlichen kümmern. Wir waren bereits nach zwei Stunden erschöpft, froh, im Schatten zu sitzen und genossen die Aufmerksamkeit der spielenden Kinder.

Wer uns kennt, weiß, dass wir gern die Möglichkeit nutzen, Land und Leute zu „erfahren“, also auf Tour zu gehen und individuell die Gegend zu erkunden. Und Maputo im südlichen Mosambik, nah dran an Swaziland und Südafrika, machte es uns leicht, Schwerpunkte einer solchen Tour festzulegen. 10 Tage fuhren wir mit einem Pickup (4x4 war notwendig) erst ins wunderschöne, bergige Swaziland, umrundeten einen großen Stausee, erkundeten zu Fuß einen Wasserfall in einer regenwaldartigen Natur. Danach ging es in den Kruger-Nationalpark inkl. einer Übernachtung in einem Camp. 250km Fahrt durch einen großen Tierpark mit Gazellen, Giraffen, Elefanten, Zebras, Affen, Büffel, Warzenschweinen, Flusspferden und auch einem Krokodil – beeindruckend und lohnenswert. Annis Geburtstag wurde zum Abenteuer – erst war unser Chalet besetzt, dann gab es im Camp nichts zu kaufen, kein Essen, kein Trinken, kein Gas zum Kochen, dafür die einzigen Tränen dieser Tour. Also ging es, nachdem wir uns entschieden hatten, im Camp zu bleiben und ein anderes Chalet belegten, 30km offroad nach Massingir zum Einkaufen und wieder zurück, mit viel Mühe wurde ein Grill angeheizt, darauf Nudeln gekocht und Fleisch gegrillt. Und der Abend war gerettet! Mit Amarula wurde auf den 19. Geburtstag angestoßen. Quer durch´s Land ging es im zweiten Teil der Reise an die Küste von Mosambik, vorbei an vielen Dörfern, die durch den Regen der vorangegangen Tage überschwemmt waren. Silvester wurde am Strand von Tofo gefeiert, auch andere Freiwillige freuten sich über den kühlen Schluck Sekt aus der großen Flasche. Wir genossen das warme Wasser, die Wellen, das Essen in den verschiedensten Baraccas und anderen Restaurants. Abends gab es viel Musik, erst bei Fatima´s Nest, wo wir in einer Basthütte unsere Unterkunft hatten, dann von den jungen Mosambikanern am Strand, die ihre Boxen in den Autos klingen ließen und schließlich blueshaltige Live-Musik im besten Hotel des Ortes am letzten Abend (kostenlos und offen für alle!). Über eine Zwischenübernachtung an der Lagune in Bilene ging es weiter nach Macaneta, unserem letzten Ziel unserer Reise. Die Fährüberfahrt nach zwei Stunden Wartezeit (Chill mal!) über den kleinen Fluss war abenteuerlich, die offroad-Fahrt zur Lodge ebenfalls. Aber es sollte noch besser werden. Nach einem leckeren Abendessen im Restaurant der Lodge, einer geruhsamen Nacht und einem Morgenspaziergang an den Strand ging es wieder zurück zur Fähre. Eine Stunde später wussten wir – sie fährt erst am Nachmittag wieder (wenn überhaupt). Da wir aber zurück nach Maputo mussten, um das Auto abzugeben, schlossen wir uns einer Gruppe Südafrikaner an, die den langen Landweg kannten, um die Halbinsel ohne Fähre zu verlassen. 30km Abenteuer pur durch tiefsten weichen Dünensand mit Steckenbleiben, Luft ablassen, weiterfahren, Kontrollposten in der Einöde … letztendlich hatten wir irgendwann wieder Asphalt unter den flachen Reifen und die letzten km nach Maputo waren geschafft.

Danke, Anni, dass du dich getraut hast, für ein Jahr nach Mosambik zu gehen – so hatten auch wir die Chance, mit dir gemeinsam ein kleines Stück Afrika kennen- und lieben zu lernen. Und es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein!





Und hier mein etwas ausführlicher Reisebericht:

Hallo meine Lieben,

Schon ist wieder viel Zeit vergangen, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe. Dafür könnt ihr euch dieses Mal auch sicher sein, dass ich vieeeeel zu erzählen habe! Also los geht’s:

Nach fast 5 Monaten sollten mich meine Eltern endlich in Mosambik besuchen kommen und mein neues Leben ein kleines Stück kennen lernen. Ein Tag vor Weihnachten wartete ich also am Flughafen auf den Flieger aus Äthiopien, der mir, mit 2,5 Stunden Verspätung und einem Umweg über Johannesburg, meine Eltern sicher nach Maputo bringen sollte. Als sie dann endlich da waren, war die Freude auf beiden Seiten natürlich riesig groß! Erst in diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr ich sie doch vermisst habe... Natürlich habe ich mich hier eingelebt und auch an das Leben ohne meine Eltern etwas „gewöhnt“, aber dennoch ist es doch immer wieder schon, wenn das Herz wieder im richtigen Takt schlägt. Zuerst ging es dann ins Fatimas, ein Backpackers in der Stadt, wo ich in den folgenden Tagen einige heiße Duschen sowie bequeme Nächte haben sollte. Angekommen wurden erst einmal die tausend Mitbringsel sortiert. Von Bekannten, meiner Familie und nicht zuletzt vielen lieben Schülern meiner ehemaligen Schule (Theodor-Fontane-Gymnasium Strausberg) brachten meine Eltern gut 45kg Weihnachtsgeschenke für die Kinder meines Projekts mit – Wahnsinn! Aber dazu an anderer Stelle mehr.
Nach der ersten Wiedersehensfreude ging es sofort weiter zu Mimmos, wo wir mit allen Freiwilligen von AJUDE (ICYE Mozambique) unser Weihnachtsessen haben und wichteln wollten. Der Abend war echt schön, es gab sehr kreative Geschenke und natürlich auch viel Zeit, um über die vergangene Zeit nachzudenken. Das vollgefutterte Gruppenfoto erspare ich euch dennoch! An diesem Abend sind wir trotzdem ins Bett gefallen, egal, wie viel wir uns vielleicht noch zu erzählen hatten. Dazu sollten wir in den nächsten zwei Wochen ja genug Zeit bekommen. Am nächsten Tag stand viel an. Dennoch starteten wir den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück im Garten der Verliebten mit einem wunderbaren Blick über die Bucht vor Maputo. Danach durften meine Eltern endlich in die wunderbare Welt des Kunstmarkts eintauchen, wo natürlich gleich ein paar Souvenirs gekauft wurden. Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Patrice zu meiner Gastfamilie, da wir zum Weihnachtsessen eingeladen waren. Nach einer kurzen Besichtigung und einem kleinen Pläuschen machten wir uns dennoch nochmal zu Fuß auf, die Gegen um mein neues Heim zu erkunden. Dabei landeten wir wieder in Coca Cola und genossen 2M und eine leckere Scheibe Fleisch. Zurück daheim fing dann das endloooooose Warten an: Gledice war der Meinung, erst gegen 19 Uhr mit kochen anzufangen, was heißen sollte, dass das Essen erst gegen 23 Uhr auf dem Tisch stehen würde. Die Zeit dazwischen vertrieben wir uns also, indem wir mit unserem Nachbarn redeten, der, wie so einige Mosambikaner, einige Jahre in der ehemaligen DDR gelebt hat. Er hatte sogar noch ein altes Fotoalbum, zu dem er uns viele Geschichten erzählen konnte. Schlussendlich gab es dann um 23 Uhr Bescherung und ca. eine halbe Stunde später ENDLICH Essen! Das wohl erste Mal nach knapp 5 Monaten, dass ich wieder Lasagne gegessen habe! Dazu gab es allerlei Salate, Wein und Saft – für alle!!! Ich hätte nie gedachte, dass ich das je so betonen werden muss, aber es ist doch oft deprimierend zu sehen, was so alles für tolle Sachen im Schrank meiner Gastschwester stehen, die ich nicht anfassen darf. Aber auch das ist eine andere Geschichte... Nach so einigen mosambikanischen „Komplikationen“ wurden wir dann von einem Nachbarn in die Stadt gefahren und somit in den so lang ersehnten Schlaf entlassen. Am nächsten Tag sollte endlich der Besuch in meinem Projekt stattfinden. Gegen Mittag fuhren wir mit zwei vollen Koffern Geschenke nach Liberdade zu meinem Projekt REMAR. Tia Sandra freute sich, mich nach einigen harten letzten Wochen mal wieder richtig lachen zu sehen, da ich nach langer Zeit wieder einen Teil meines deutschen Lebens um mich hatte. Nach einer kurzen Besichtigung bereiteten wir die Bescherung vor: Ca. hundert kleine und größere Geschenke sortierten wir nach Geschlecht und Alter, bevor wir die erste gruppe, die „Babys“, in den Raum holten. Wir verteilten die Geschenke, packten sie gemeinsam aus und zeigten ihnen, was man mit den ganzen tollen Sachen denn so anstellen könnte. Danach folgten die Jungs, mit denen das große Chaos beginnen sollte. Nach einer kurzen Einführung (Heute ist Weihnachten, bla bla bla...) begannen wir wieder, die Geschenke zu verteilen. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass es keinen Sinn machte, immer auf die Beschreibungen zu achten, die auf so vielen Geschenken zu lesen waren. Deshalb begann ich, einfach zu fragen, wer das hochgehaltene Geschenk denn haben wollte. Damit waren die Jungs und auch später die Mädchen anscheinend einverstanden – tauschen konnten sie ja immer noch. So ging es also weiter mit den kleineren Mädchen und später den Jugendlichen und Müttern. Auch Tia Sandra hatte ich zur Feier des Tages eine Kleinigkeit besorgt: Schokolade aus Deutschland! Durch das riesige Chaos, Neid und doch etwas Unorganisiertheit (existiert dieses Wort überhaupt???) sind dennoch so einige Geschenke durcheinander gegangen. Hier möchte ich kurz ein Beispiel anführen: Innocencia, 47 Jahre, bekam somit ein Geschenk, was eigentlich für ein Mädchen zwischen 5 und 7 Jahren vorgesehen war. Und dann war dieses Päckchen auch noch so unglaublich voll mit Geschenken, dass selbst die älteste dort lebende Frau wieder zum Kind wurde! Gerade hierbei wurde viel gelacht und die anderen Mädchen boten ihr neidisch tausende Sachen zum Tauschen an, aber nichts zu machen... Genau in diesem Geschenk versteckte sich auch noch eine Karte sowie ein Foto von der lieben Lucie, die das Geschenk gepackt hatte. Ich übersetzte die Karte und Innocencia versprach mir, dir, liebe Lucie, ein Foto von ihr zurückzuschicken. Nachdem dann also alle Geschenke mehr oder weniger erfolgreich verteilt und unter den Kinder das Hin- und Hergetausche begonnen hatte, nahmen wir uns noch etwas Zeit, um aufzuräumen und mit den Kindern zu spielen. Da an diesem Tag gefühlte 45°C herrschten, entschieden wir uns, bald wieder in Richtung Stadt aufzubrechen. Mit den jetzt leeren Koffern begaben wir uns auf den Weg zur Hauptstraße, um dort ein Taxi zu nehmen. Auf unserem Weg sprachen uns allerdings zwei Mosambikaner an und wollten mit uns ihr Mittagessen teilen. Wir lehnten freundlich ab, doch musste ich diese Chance unbedingt nutzen und sie nach einer Mitfahrgelegenheit fragen. Sie überlegten kurz, fragten, wo es hingehen sollte und keine zwei Bier und 10 Minuten später saßen wir schon in ihrem Auto. Unser Ziel war wieder einmal Coca Cola. Da diese aber geschlossen hatte als wir ankamen, bat ich die Jungs, uns einfach an der nächsten Chapahaltestelle aussteigen zu lassen, damit wir von dort in die Stadt fahren konnten. Doch da hatten wir nicht mit der Spontanität der beiden gerechnet: Sie bestanden darauf, uns in die Stadt zu fahren und wollten lediglich, dass wir die Autobahnmaut, 25 Meticais, bezahlten. Auf der Fahrt blieb dann viel zeit, um sich auszutauschen und als sie erfuhren, dass meine Eltern Maputo noch gar nicht so richtig kannten, entschlossen sie sich, eine kleine Stadtführung im Auto hinten dran zu hängen! Das war einfach super, denn es ersparte uns an diesem heißen Tag viele Kilometer Fußweg! So eine nette Mitfahrgelegenheit habe ich hier bisher selten erlebt.
Am nächsten Tag sollte dann der Urlaub so richtig beginnen: Wir hatten, nachdem wir die Planung für die folgenden 10 Tage in Deutschland fertiggestellt hatten, uns clevererweise dafür entschieden, ein Auto auszuleihen. Natürlich wäre es super gewesen, mit meinen Eltern alles per Chapa zu erleben, aber dann hätten 10 Tage nun wirklich nicht ausgereicht. So führte es uns in den ersten zwei Tagen durch das wunderschöne, bergige und fast schon beängstigt menschenleere Swaziland, bevor wir innerhalb eines Tages 200 km durch den Krügernationalpark in Südafrika fuhren. Hier konnte ich das erste Mal meine liebsten Dickhäuter, Giraffen- und Zebrababys oder auch Nilpferde aus der Nähe bestaunen – ein Erlebnis, welches ich nicht so schnell vergessen werde! An meinem Geburtstag überquerten wir dann wieder die Grenze nach Mosambik und fuhren durch den zum Krügerpark gehörigen Great Limpopo Nationalpark. Das schockierende: Von jetzt auf gleich gab es kaum noch Tiere. Eine ernüchternde Erfahrung, die zeigt, was der Bürgerkrieg bis heute noch für Auswirkungen hat. Am Abend mussten wir dann ernüchternd feststellen, dass unsere Reservierung nicht im Camp angekommen war und es auch weit und breit nichts zu essen gab. Wir bezogen die noch einzige freie Hütte mit zwei Einzelbetten und machten uns auf den Weg in den nächst größeren Ort. Hier musste mein Papa das erste mal schmerzlich feststellen, dass nur, weil ein Ort auf der Karte groß eingezeichnet ist, unbedingt auch einen Supermarkt haben musste. Somit hieß es erstmal richtig mosambikanisch Fleisch in einer Baracca und Nudeln beim Kiosk „einkaufen“, bevor wir den Heimweg über nicht wirklich befestigte Straßen zurück zum Camp angingen. Angekommen wurden dann Nudeln gekocht und das Fleisch nochmal aufgewärmt und mein Geburtstag somit ohne jeglichen Handyempfang oder besondere Aufmerksamkeit gefeiert. Der nächste Tag sollte uns so langsam wieder in die mosambikanische Zivilisation zurück bringen. Nachdem wir es schon in den Nachrichten gehört und auch die anderen Freiwilligen von heftigsten Regenschauern in Maputo berichteten, fuhren wir vorbei an zahlreichen überschwemmten Dörfern. Erst hier wurde mir bewusst, dass auch die stabilste Strohhütte mit Sicherheit irgendwann ihre Extreme erreichen und somit die darin lebende Familie vor einem großen Problem stehen wird. Auch Mama und Papa hatten zwischendrin einen richtigen Kloß im Hals stecken. Für diese Nacht hatten wir nirgends eine Unterkunft im Vorhinein gebucht, da wir nicht wussten, wie weit wir vorankommen werden. Nachdem in Xai Xai alles voll war, beschlossen wir, einfach gleich bis Inhambane durchzufahren und bekamen zum Glück noch zwei Zimmer in einem Hotel. Wenn auch, saisonbedingt, unverhältnismäßig teuer, genoss ich meine letzte ruhige Nacht, bevor es am nächsten Tag nach Tofo und somit zu 3 Tagen Silvesterfeiern gehen sollte. Auch hier kamen wir wieder im Fatimas unter, die auch Hauptveranstalter des jährlich stattfindenden Oceanfestivals sind. Gott sei Dank bekamen wir die allerletzte, ruhigste Hütte und meine Eltern somit einige dennoch leise Stunden Schlaf. Ich genoss die drei Tage in Tofo, um mit den anderen Freiwilligen (Anna, Inga, Yohanna, Marie, Clara und Emmi waren auch in Tofo und Umgebung) und unseren Freunden aus Tofo und Maputo das neue Jahr richtig gebührend zu starten. Auch tauchen war ich wieder. Ein besseren Start in das Jahr hätte ich mir hier in Mosambik kaum vorstellen können. Nach 3 Nächten in Tofo brachen wir wieder auf und fuhren weiter nach Bilene. Auch hier fand zu Silvester eine wohl riesige Party statt, weshalb der Ort und auch die Lagune nicht mehr so sauber waren, wie ich es damals kennen gelernt hatte. Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Marracuene, überquerten mit der Fähre den Fluss und nach einer halben Stunde Off-Road-Fahren erreichten wir am Abend Jays Beach Lodge. Nach den vergangenen zwei turbulenten Wochen waren wir hier endlich mal allein, genossen die Einsamkeit am Strand sowie gutes Essen aus Jays Küche. Am nächsten Tag mussten wir schon viel zu früh aufbrechen, da das Auto um 10 Uhr wieder in Maputo stehen sollte. Bis 10:30 Uhr warteten wir auf die Fähre, bis die Nachricht kam, diese würde bis zum Nachmittag nicht mehr fahren. Wir schlossen uns gefrustet einer Gruppe Südafrikaner an, die den langen, harten Landweg kannten. Und dann ging auf einmal nichts mehr: Wir steckten fest. Ein Tag vor dem Abflug. Mit einem ausgeliehenen Auto. Anni dreht innerlich schon durch. Oder doch eben die Reifen. Wir versuchen, rückwärts aus dem Tiefsand zu fahren, den Weg zur Fähre zurück zu finden. Auf einmal andere Autos hinter uns, kein Platz zu passieren. Sie helfen uns, mit dem ungewohnten 4x4 umzugehen, geben uns neuen Mut. Wir schaffen es, alle. Auch sie kennen den Weg, der uns viel Abenteuer aber auch Zusatzkilometer und -zeit einbrockte. Dennoch danke an diese netten Leute! Am späten Nachmittag kamen wir glücklich in Maputo an, doch hatten wir irgendwie nicht mit einer fetten Rechnung von Europcar gerechnet. Immerhin hatte ich am Morgen sofort Bescheid gesagt. Wir entschieden uns also, diesen Abend nochmal mit dem Auto durch die Stadt zu fahren, besorgten noch die letzten Souvenirs und Mitbringsel auf dem Kunstmarkt und fuhren zum Essen wieder nach Patrice. Auch ein kurzer Abstecher bei meiner Gastfamilie war noch einmal drin. Am nächsten Morgen hieß es dann Sachen packen, ein letzten ausgiebiges Frühstück, Auto zurück geben und dann – auf zum Flughafen. Dieses Mal ging alles gut und ich musste mich doch schmerzlicher als gedacht wieder von meinen Eltern verabschieden. Dennoch bin ich froh, noch etwas mehr als ein halbes Jahr vor mir zu haben, welches ich hier in Mosambik in vollen Zügen genießen kann. Meine letzten Urlaubstage habe ich noch einmal genutzt, um mit zwei Freunden aus Südafrika nochmal nach Tofo zu fahren – entspannen und einfach nette Leute im Backpackers kennen lernen. Danke für die entspannte Zeit!
Seit Montag ist nun also wieder Alltag eingekehrt und so wirklich glauben kann ich es noch nicht. Waren meine Eltern nicht eben noch hier? Hatte ich gerade wirklich 4 Wochen mehr oder weniger „Urlaub“? Aber eine positive Nachricht habe ich noch: Ich habe am Montag endlich angefangen zu tanzen! 4 Mal die Woche werde ich jetzt 2 Stunden schwitzen! Auch, wenn der Beginn heute gleich wieder mit Fieber unterbrochen wurde, werde ich dennoch dranbleiben! Ich freue mich, endlich etwas gefunden zu haben, was mich von der Arbeit und dem langweiligen Alltag unter der Woche ablenkt.

Der nächste Bericht könnte vielleicht wieder etwas auf sich warten lassen. Am Freitag beginnt aber erst einmal unser Midtermcamp, was uns wieder einige Tage Entspannung weg von der Stadt bringen soll. Danach kommen die nächsten Freiwilligen und dann – ist schon Februar und ein HALBES JAHR hier um. Aber meine Zeitkrise werdet ihr denke ich im nächsten Eintrag zu spüren bekommen. Ich will hier nicht weg, nein. Und doch weiß ich, dass irgendwann der Punkt kommen wird, an dem man unter dieses Jahr einen Schlussstrich ziehen muss. Wenn auch vorerst nur mit Bleistift, oder Strichellinie. Aber ich werde im Sommer wieder nach Deutschland kommen – keine Sorgen.

Bis zum nächsten Eintrag verbleibe ich mit verschwitzen Grüßen, Umarmungen und Küssen aus meiner neuen Heimat.

Auch Bildern werde ich noch hochladen, jedoch dauert das vielleicht noch ein paar Tage. Aber sie kommen, versprochen!!!


Eure Anni :)

Dienstag, 16. Dezember 2014

Über wilde Tiere, Alexander Flemings Penicillin und weitere alltägliche Abenteuer.

Hallo meine Lieben,

Schon sind wieder 3 Wochen vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Und ich kann euch sagen, dass in dieser Zeit eine ganze Menge geschehen ist, was zwar alltäglich, dann aber auch wieder nicht so ganz alltäglich ist. Macht euch also bereit auf einen Beitrag, der mal eine wildere Seite Mosambiks zeigen wird:

Der Dezember fing ganz normal mit der Arbeit im Projekt an – mit den Kindern spielen, etwas für die Weihnachtsfeier vorbereiten, Mangos futtern. Eigentlich sah so im Groben die letzte Zeit im Projekt aus. Am Nikolauswochenende war hier nicht wirklich etwas besonderes los – Danke Marie dennoch für den süßen Herzlolli :) Am Sonntag war ich mit einem Freund unterwegs. Zuerst waren wir in …... (nein, ich schreibe es jetzt nicht, ich schreib es sowieso falsch) auf einem Markt für Werkzeuge, Bau-, Elektronik- und Sanitärmaterialien und was das Handwerkerherz sonst noch so begehrt. Gegen frühen Nachmittag machten wir uns dann endlich auf nach Katembe, die anderen Seite von Maputo sozusagen, wo er ein kleines Häuschen baut (ein Zimmer, Bad). Nachdem wir dort mit dem Elektriker gesprochen hatten, beschlossen wir, noch am Strand essen zu gehen, da wir beide bis dahin nichts wirklich im Magen hatten. Als ich nach dem wirklich unglaublich guten Fisch und Wein doch einmal auf die Uhr sah, stellte ich mit Erschrecken fest, dass es schon 22:00 Uhr war – die Zeit, zu der ich normalerweise zu Hause sein soll. Wir machten uns also recht optimistisch auf zur Fähre, die uns doch dann tatsächlich vor der Nase davon fuhr. Später sollten wir erfahren, dass es die eigentlich letzte sein sollte. Zu unserem Glück warteten aber noch ein paar andere Passagiere und Autos auf eine Fähre und so beschloss der Fahrer eben dieser, doch noch einmal nach Maputo zu fahren – zu unserem Glück! Mittlerweile war es kurz vor 23:00 Uhr und für mich stand bereits fest, dass jetzt wohl kein Chapa mehr nach Patrice geschweige denn in die ungefähre Richtung fahren würde. Nach einem 20 Minütigen Fußmarsch und weiteren 20 Minuten warten, kam dann tatsächlich noch ein großer Bus der mosambikanischen Regierung. Unterschiede zu Chapas: Kosten, egal, wie weit man fährt, nur 7 Meticais. Dafür gibt es in jede Richtung aber auch nur einen einzigen Bus, wodurch vor allem Nachts lange Wartezeiten entstehen können. Zu guter Letzt: Sie sehen aus wie normale Linienbusse in Berlin! Gegen 0:15 Uhr war ich dann endlich zu Hause. Auch, wenn ich nie die letzte Fähre oder den letzten Bus verpassen wollte, so war es dennoch eine lustige Erfahrung. Und ich weiß jetzt, wann und wo eben dieser fährt.
Auch die nächste Woche im Projekt begann wieder recht normal. Eines Tages brachte Tia Sonja, die uns jetzt jeden Montag, Mittwoch und Freitag unterstützt, einen Weihnachtsbaum mit, den ich zuerst mit ihr aufbaute und anschließend mit zwei Mädchen schmücken durfte. Jetzt zieren also schon zwei Weihnachtsbäume meine so unweihnachtlichen Gedanken in meinem Kopf. Schon komisch, dass ich erst nach Mosambik kommen muss, um diese Tradition kennen zu lernen und dennoch glaube ich, werde ich ihr nie so wirklich etwas abgewinnen können.
Zu Hause hat sich in dieser Woche dann doch mal etwas geändert: Nany, die... HALT. Von der habe ich euch ja auch noch nichts erzählt, richtig? Nany gehört in irgendeiner Beziehung zur Familie von Gledice, ist 16 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Quelimane und verbringt jetzt ihre gesamten Ferien (Dezember bis Anfang Februar) hier in Maputo in unserem Haus. Am Dienstag Abend ist dann auch noch die Mama von Gledice, meine Gastoma sozusagen, bei uns eingezogen, was zur Folge hatte, dass ich mir mit Nany nun nicht nur Zimmer sondern auch die Matratze auf dem Boden teilen muss. Gleich in der ersten Nacht war sie der Meinung, neben den Fenstern, die eh immer offen sind, auch den Mückenschutz davor aufzureißen, da sonst zu wenig Luft in dieses kleine, stickige Zimmer komme. Mitten in der Nacht werde ich schreckhaft wach und merke, dass mich irgendwas gestochen, gebissen,.... hat. Mein erster Gedanke am nächsten Morgen: S***** Moskitos! Am Mittwoch sah es auch wirklich noch nach einem harmlosen Mückenstich aus, doch ab Donnerstag sollte sich das ganze zu einem ernsthaften Problem entwickeln (dazu später mehr). Der Donnerstag im Projekt fing zuerst ganz gut an, wurde am Nachmittag aber doch noch mal aufgemischt. Meine Chefin und der Pastor (ihr Mann) schauten vorbei und wollten sich die Fortschritte der Handwerker (nachdem alles gestrichen wurde, kommen jetzt, zum Schutz natürlich, Gitter vor jedes Fenster) anschauen. Dabei kam ich auch nicht um ein Gespräch mit ihr herum, in dem sie mich auch nach meiner Zufriedenheit fragte. Naja, schwere Frage, oder? Also antwortete ich ihr ganz ehrlich, wirklich, GANZ ehrlich. Zu wenige Tias, zu viele Kinder, und doch auch keine richtige Aufgabe für mich, an der ich mich jeden Tag festhalten kann. Ihre Lösung: Demnächst wirst du den 10-12 Jährigen Englisch Unterricht geben. Na mal sehen, wie das so wird... Ich denke, dazu werde ich im Januarabschlussbericht etwas ausführlicher berichten können. Am Donnerstag Abend hatte ich mir nach langem wieder einmal vorgenommen, eine Tanzgruppe zu besuchen! Milhoro, eine Gruppe, die so ziemlich alle traditionell mosambikanischen Tänze im Programm hat, ist eine wahnsinnig gute Gruppe, bei der ich eigentlich am nächsten Montag sofort zu tanzen anfangen wollte. 4 Mal die Woche, jedes Mal 2 Stunden Training – da sollten die Kilos doch wie von selbst purzeln! Danach hieß es dann aber erst einmal wieder etwas ausgehen. Wie immer waren wir in der Associacao, einen entspannten Abend mit unseren Freunden verbringen, doch danach zog es mich schon recht bald ins Bett, da ich am nächsten Tag ja arbeiten musste. Freitag war dann ein ganz normaler Arbeitstag, der nur von den zunehmenden Schmerzen unter meinem linken Arm beeinträchtigt wurde. Am Abend stand dennoch wieder ein bisschen feiern auf dem Plan, weshalb ich mich am frühen Abend mit Freunden in der Garanjinha traf, um ein Bierchen zu trinken. Nachdem der Aufenthalt dort etwas länger wurde und die Associacao schon längst geschlossen hatte, gingen wir direkt zu Feima, wo an diesem Abend eine Party stattfinden sollte. Anfangs war es sehr leer, aber mit der Zeit füllte es sich doch unglaublich gut! Ich habe das erste Mal hier auf einer Party andere Lieder als mosambikanisch-angolanische Musik gehört. Auch, wenn die meisten Charthits eher aus den Jahren 2003 bis 2010 stammten, war es dennoch eine gute Abwechslung. Dennoch kam ich natürlich nicht drum herum, etwas Salsa zu tanzen, was mir an diesem Tag wegen der Schmerzen aber nicht wirklich gelingen wollte. Gegen 5:00 Uhr morgens waren Inga und ich dann endlich in der Stadtwohnung und wollten beide nur noch schlafen. Nach nur 2 Stunden Schlaf bin ich dann wieder aufgewacht, wir haben noch etwas gequatscht und letztendlich habe ich mich gegen 11 so langsam auf den Heimweg gemacht. Ich habe mir jetzt auch endlich diese schönen Leder-Flip-Flops geholt, die es hier fast überall in der Stadt zu kaufen gibt! Zu Hause angekommen wurde mir erst einmal bewusst, wie sehr mein Arm eigentlich weh tat, denn schon in der Nacht davor merkte ich öfters ein Kribbeln, was sich bis in die Finger meiner linken Hand zog – keine angenehme Sache kann ich euch sagen. Ich zeigte es Gledice und auch sie war der Meinung, dass die Rötung und vor allem die Schwellung nichts gutes heißen würden und ich unbedingt zum Arzt gehen sollte. Gut, dann eben Montag zum Arzt. Am Abend kam meine Gastoma nach Hause, Gledice weckte mich aus meinem Samstags-Kater-Schlaf und wollte, dass ich ihrer Mutter den Stich, Biss,... zeige. Sie arbeitete früher als Ärztin und verschrieb mir etwas, womit ich zur Apotheke gehen sollte. Ihrer Meinung nach hatte ich einen Pilz (woher der nun auch kommen sollte). Ich ging also zur Apotheke zwei Straßen weiter, gab den Zettel ab und – konnte meinen Augen kaum glauben, als die Apothekerin mich auf einmal fragte, ob ich denn auch eine Spritze bräuchte. Ich antwortete mit einem zögerlichen Ja, da ich nicht damit rechnete, gleich gespritzt zu werden. Wieder zu Hause angekommen stellte ich fest, dass mir meine Gastoma Penicillin verschrieben hatte, was sie mir keine 10 Minuten später ganz unkonventionell und unkompliziert mit Sagrotan-Desinfektionsspray, was ich zufällig noch zu Hause hatte, in beide Seiten des Hüftspecks drückte. Es tut nur kurz weh, das geht wieder weg. Ja, genau. Die Stiche merke ich noch heute...... Dazu bekam ich noch 5 Tabletten in die Hand gedrückt, bei denen ich denke, dass es sich um Schmerzmittel gehandelt hat. Am Sonntag ging es mir auch nach ungewöhnlich viel Schlaf noch nicht wirklich besser und ich hielt mich den Tag über mit Schmerzmitteln fit. Am Montag war es dann genug, da weder Schwellung noch Schmerzen bis dahin weniger geworden waren. Ich ging also mit Anna ins Krankenhaus, um die Meinung eines anderen Arztes zu hören. Dieser sagte mir dann folgendes: Es ist ein Biss. Von einer Spinne. Bitte was?????? Wie kann das denn passieren? Ach ja, da war ja das Fenster KOMPLETT offen... Jetzt habe ich also eine Spinnenbiss. Toll. Eine Woche, bevor meine Eltern kommen. Neben weiteren Schmerzmitteln verschrieb mir der Arzt auch Antibiothika und eine Creme, die hier in Maputo aber unauffindbar zu sein scheint. Morgen, Mittwoch, muss ich noch einmal ins Krankenhaus und wenn es bis dahin nicht deutlich besser wird, müssen wir das Ding wohl oder übel raus schneiden. Also noch eine Mini-OP bevor meine Eltern herkommen? Klasse, das kann ja noch was werden. Aber erst einmal zurück zum Montag. Nachdem ich also mit Anna am Nachmittag noch etwas durch die Stadt gebummelt bin, ging ich noch einmal zu The Base, um etwas mit Jonas zu quatschen und ihm von meiner Verletzung zu berichten. Hier lernte ich noch zwei Mädchen kennen, die in Maputo gerade Urlaub machten. Ihnen zeigte ich dann noch etwas die Stadt und brachte sie letztendlich wieder zu Hostel, als – es plötzlich so sehr anfing zu regnen, wie ich es hier noch nie erlebt hatte! Wirklich, das ist kein Scherz. Lange haben wir ja auf solch einen Regen gewartet, aber gestern Abend konnte ich ihn nun wirklich nicht gebrauchen! Ich blieb also noch eine Weile, wir tauschten uns viel aus und gegen 21:30 Uhr wollte ich es dann doch mal wagen, den Weg nach Hause anzutreten. Der Regen hatte aber kein erbarmen, und so war ich bereits nach wenigen Schritten von oben bis unten nass. Nass ist eigentlich kein Ausdruck mehr. In Museu angekommen, stand alles, wirklich alles, Wadenhoch unter Wasser und es sah erst so aus, als wäre ich die einzige Verrückte, die sich bei diesem Wetter noch raus trauen würde. Letztendlich stand ich aber mit bestimmt 50 anderen Menschen unter einem kleinen Dach – alle wartend aufs Chapa, was nicht kommen sollte. Nach einer knappen Stunde warten kamen die ersten großen Regierungsbusse, doch meiner mit der Nummer 59 war irgendwie nicht dabei. Gegen 23:00 Uhr kam aber auch er endlich an und brachte mich mehr oder weniger sicher nach Hause. Da ich nicht viel gegessen, dafür aber Antibiothika geschluckt hatte und mir Bus fahren ja eh nicht sooooo gut bekommt, musste ich mich hier dann erst mal übergeben, was für allgemeines Gelächter sorgte. Ja danke, mir geht es gerade mega s******. Meine Sitznachberin war dennoch echt hilfreich und gab mir noch den Tipp, ich solle lieber meine Capulana als Auffangbehälter nutzen, als es auf den Boden fallen zu lassen, da ich sonst noch die Reinigung für den Bus bezahlen muss. Eine Frechheit ist das, wirklich. Aber immerhin weiß ich jetzt, dass Capulana (Kotz)dicht sind. Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise. Gegen Mitternacht war ich dann endlich zu Hause, wurde besorgt von der ganzen Familie entgegen genommen, wusch meine Sachen, ging duschen und fiel danach nur noch ins Bett. „Morgen gehe ich ganz bestimmt nicht arbeiten“ war mein letzter Gedanke, bevor mir die Augen zufielen.
Ja, und genau so kommt es, dass ich nun Zeit habe, euch diesen endlich mal wieder längeren Bericht zu schreiben. Auch, wenn diese Woche noch nicht ganz vorbei ist, habe ich jetzt schon die Nase irgendwie voll. Ich freue mich so sehr, meine Eltern in einer Woche vom Flughafen abholen zu können und möchte eigentlich nicht mehr auf diesen Moment warten. Doch bis dahin muss ich erst einmal gesund werden. Ich denke, ich werde am Wochenende diesen Beitrag, vor allem was meine Gesundheit angeht, auf den neusten Stand bringen, doch bis hier hin soll es das erst einmal gewesen sein.


Bis dahin verbleibe ich mit den liebsten Grüßen und wünsche euch heute vor allem GESUNDHEIT!
Eure Anni :)

UPDATE: Krankenhausmarathon bis zum letzten Tag und - FOTOS!

Hallo ihr Lieben,

hier melde ich mich also noch einmal zurück, um euch auf den neusten Stand zu bringen. Wie berichtet war ich am Montag im Krankenhaus und bekam meine tolle Diagnose Spinnenbiss. Bis Mittwoch war trotz der Schmerzmittel und Antibiotika keine wirkliche Heilung in Sicht, außer, dass die Rötung etwas zurück gegangen war. Ich hatte mich schon auf so einiges gefasst gemacht, aber dass ich, nachdem der Doktor auf dem Stich wie auf einem Pickel herumgedrückt hatte und meinte:"Das sieht doch ganz gut aus, da löst sich was.", 10 Minuten später in der Notaufnahme liegen und aufgeschnitten werden sollte, damit habe ich wohl wirklich nicht gerechnet. Aber ja, so kam es nun leider und ich brauchte nach 3 Betäubungsspritzen dennoch Ingas helfende Hand, um die Schmerzen und dieses ekelhafte Etwas da ertragen konnte. Nachdem das erledigt war, wurde mir verkündet, ich dürfe jetzt jeden Tag wieder kommen, um die Wunde zu reinigen und noch den letzten Eiter inklusive Gift rauszudrücken. So kam es dazu, dass ich bis heute jeden Tag in die Klinik zum Reinigen gefahren bin. Die Wunde verheilte ganz wunderbar: keine weitere Entzündung, wovor ich am meisten Angst hatte. Doch wer meine Haut kennt, weiß, dass das noch nicht alles gewesen sein kann. So stellte sich heraus, dass ich auf die beiden Pflasterarten, die sie in der Klinik benutzen, allergisch reagiere, wodurch sich eine Art Pilz rundherum um die Wunde bildete - kein Wunder, wenn die Wunde unterhalb der Achsel liegt und hier tagtäglich 35°C herrschen. Man schwitzt nun mal wie sonst etwas und Pilze lieben es anscheinend warm ;) Nun gut, heute war ich allerdings laut den Ärzten das letzte Mal in der Klinik und wurde mit einem liebevollen "Auf nimmer Wiedersehen!" in meinen Urlaub entlassen.
UND DAS IST DIE BESTE NACHRICHT, DIE ICH HEUTE HÄTTE BEKOMMEN KÖNNEN!
Wie viele wissen, hole ich morgen Mittag meine Eltern vom Flughafen ab - 2 Wochen volle Kanne Familie, Weihnachten, Reisen, Geburtstag, Silvester. Ich freue mich wie ein Flitzebogen, ihnen hier endlich alles zeigen zu können und so ein bisschen habe ich sie ja schon vermisst!

Mit diesen kurzen Worten möchte auch ich euch, was den Blog betrifft, in die Weihnachtspause entlassen. Habt eine wunderschöne Weihnachtszeit, genießt die Feiertage mit euren Liebsten, freut euch über die kleinen Geschenke, die euch jeden Tag gemacht werden, lasst es im alten Jahr nochmal so richtig krachen und rutscht gut in das neue Jahr rein! Ich vermisse euch alle sehr, besonders zu dieser Zeit.

Eure Anni. :)

Die Wunde direkt nach der Mini-OP

PS (1): Am vergangenen Donnerstag feierte ein sehr guter Freund Abschied von seinen letzten drei Monaten hier in Mosambik. Ich hoffe, wir sehen uns eines Tages in Berlin wieder, Bas!

Überall diese Plastikweihnachtsbäume....

Und tschüss, Bas!


PS (2): Die erste Weihnachtsfeier im Projekt habe ich jetzt auch schon hinter mir: Am vergangenen Freitag bin ich auf Wunsch der Kinder trotz Krankschreibung zur Feier gegangen und habe den Nachmittag mit ihnen genossen!

Selina, das Kind einer Tia und Admira

"Hmmm, soll ich da jetzt mitspielen oder nicht?"

Losinho und Fernanda

Ein neues Baby bei uns im Projekt - gerade einmal 6 Monate alt.

Life und Losinho - meine beiden Schätze!

Ich mit ein paar Mädels :)

Lifes tägliche Kopfstandübungen - der Bauch ist oft ein Gleichgewichtsproblem :D