Von August 2014 bis Juli 2015 habe ich in Mosambik gelebt und gearbeitet. Auf diesen Seiten werde ich von einige Eindrücke und Erfahrungen von meinem Freiwilligendienst in Maputo, der Hauptstadt, berichten. Bitte bedenkt, dass lediglich meine persönliche Sicht auf die Dinge hier zu lesen sein wird und dies nicht zu verallgemeinern ist! Es freut mich, dass ihr hier her gefunden habt!

Dienstag, 29. März 2016

Was lange währt wird endlich gut...

Hallo ihr Lieben,

WOW! Ich bin echt gerührt. Mittlerweile hat dieser Blog mehr als 23.000 Klicks erreicht und dafür sollte ich wohl DANKE sagen! Danke, dass ihr so fleißig lest, auch wenn immerhin ein halbes Jahr lang hier nicht sehr viel passiert ist. Und auch jetzt habe ich es nicht so schnell geschafft, wie ich s mir vorgenommen hatte. Aber jetzt geht es endlich los und ihr könnt euch auf den zweiten Teil des Reiseberichts freuen:

Nachdem wir den Norden Mosambiks hinter uns gelassen haben, ging es endlich wieder nach Maputo. Während meine Eltern in einem Guesthouse unterkamen, konnte ich wieder unsere alte Stadtwohnung beziehen. Es ist schon ein komisches Gefühl, nach immerhin 6 Monaten wieder "zu Hause" zu sein... In den folgenden Tagen trafen wir uns mit meiner Gastfamilie zum Abendessen, besuchten mal wieder den Kunstmarkt Feima, tranken gut gekühltes Bier im Sergios bei Museu, liefen entlang der (endlich sauberen) Costa de Sol und aßen auf dem neuen Fischmarkt. Meine Eltern lernten hier auch meinen Freund kennen, was trotz sprachlicher Barriere erstaunlich gut funktionierte :)
Als letzte gemeinsame Etappe starteten wir dann mit dem Auto nochmals Richtung Norden. Mit Zwischenübernachtung im wunderschönen und ruhigen Zavora kamen wir schließlich in Vilanculo an. Hier verbrachten wir 3 Nächte im Baobab Beach Backpackers. Vilanculo stand schon damals auf meiner To-Do-List, und dennoch hat es mich immer lieber nach Tofo verschlagen als hier her. Der Ort liegt ca. 750km nördlich von Maputo und ist um einiges größer und einfach ganz anders als Tofo. Am besten lässt sich der Unterschied aber am Strand beschreiben: Hier in Vilanculo muss man bei Ebbe kilometerweit über Sand laufen, um überhaupt einmal Wasser unter die Füße zu bekommen. Wenn dann die Flut kommt, verschwindet der Strand ganz und verändert das Erscheinungsbild des Ortes total. Das Besondere an Vilanculo ist wohl aber der vorgelagerte Bazaruto-Nationalpark. Dieser gilt mit seinen 1400 Quadratkilometern als eines der größten Meeresschutzgebiete in Afrika. Wir machen einen Tagestrip zur Hauptinsel, Ilha de Bazaruto, wandern auf schier endlosen, heißen Sandbänken und kühlen uns in einer kleinen Bucht ab. Zurück am Boot erwartet uns bereits das frisch zubereitete Mittagessen. Nach einer kurzen Entspannung geht es zum Schnorcheln. Wir erkunden die vor der Insel  vorgelagerten kleinen Riffe und sind schon jetzt beeindruckt. Später fahren wir weiter und springen wieder aus dem Boot. Dieses Mal schnorcheln wir entlang größerer Riffe, die wie scharfe Kanten aus dem Ozean heraus stechen. Nach insgesamt 3 Mal Schnorcheln, einem super Mittag, verbrannten Füßen und Rücken sowie einer rasanten Bootsfahrt endet dieses Erlebnis, welches wir, trotz Touri-Gefühl, nur wärmstens weiterempfehlen können!! Wer es einmal bis Vilanculo oder Inhassoro schafft, sollte es sich nicht nehmen lassen, einen Trip zum Bazaruto-Archipel zu planen.

Spaß in Zavora
Der Strand von Vilanculo bei Ebbe

Nachdem wir Vilanculo hinter uns ließen, rückte nun das letzte Ziel auf unserer gemeinsamen Reise immer näher: Tofo. Schon zu Silvester 2014/2015 gefiel es meinen Eltern hier so gut, dass wir beschlossen, diese Reise mit dem Schönsten enden zu lassen. Auch für mich war es etwas Besonderes, endlich wieder dort gewesen zu sein. Tofo ist und bleibt mein Luft-Hol-Ort, meine Komm-Mal-Runter-Oase. Viel unternahmen wir nicht, denn das kleine Örtchen war nach dem stressigen Jahreswechsel nun im Februar wie ausgestorben. Dies ist uns allerdings auf der gesamten Reise schon aufgefallen. Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, hier endlich wieder tauchen zu gehen. Da ich allerdings schon beinahe ein Jahr nicht mehr tauchen war, hieß es erst einmal: Rein in den Pool und alles Wichtige wiederholen! Am nächsten Tag lief es dann doch viel besser als gedacht und so genoss ich es so sehr, endlich wieder untertauchen zu können. Dank meiner neuen Kamera habe ich auch viele Fotos machen können. Leider habe ich aber die Speicherkarte schon einen Tag später im Sand verloren. Einige Bilder habe ich allerdings vorher schon auf mein Telefon übertragen. Dennoch war ich ziemlich traurig, als ich feststellen musste, dass alle Fotos des zweiten Teils unserer Reise weg waren. Einfach so.
Die einjährige Nichte meines Freundes
Zwei Schwestern und die Mama meines Freundes

Nach 3 Wochen kam dann der Tag, an dem wir meine Eltern zum Flughafen nach Inhambane bringen mussten. Der Abschied war schon nicht leicht, aber dennoch war ich unheimlich froh, nicht mit Ihnen in den Flieger steigen zu müssen. Wir genossen noch unseren letzten Abend in Tofo bevor es am nächsten Tag wieder nach Maputo ging. An diesem Tag sollten es übrigens 46°C werden... Angekommen in Maputo blieb nur wenig Zeit zum Ausruhen, da mein Freund gemeinsam mit anderen Freunden ein Konzert am Abend organisierte (die Gruppe bzw. die Veranstaltung heißt Ngoma Ligoma). Am darauf folgenden Sonntag war dann erst einmal ausschlafen angesagt. Auch die restliche Zeit gingen wir eher entspannt an. Ich wollte die verbliebene Zeit in Maputo schon so gut es ging genießen. So besuchte ich nochmals meine Gastfamilie und Vovo Telma, die so überrascht war, als ich auf einmal vor ihr stand. Auch die Familie von meinem Freund lernte ich in dieser Zeit kennen. Dies war ein besonderer Abend für mich, den ich wohl nicht so schnell vergessen werde. Ansonsten fuhren wir viel in der Stadt umher, ich war in Matola bei Hannahs Familie und wir tranken am Abend gut gekühltes 2M bei Museu. Es tat einfach gut, wieder ein wenig im Alltag anzukommen. Auch fuhr ich zu REMAR, meinem ehemaligen Projekt. Hier hatte sich allerdings in den vergangenen 6 Monaten so viel verändert, dass ich nicht ganz so glücklich wieder nach Hause fuhr. Das Thema REMAR ist noch immer ein schwieriges für mich...
Nachdem ich nun also 30 Tage in Mosambik war, zwang mich mein Visum, meine neue Heimat wieder zu verlassen. So fuhren wir nach White River, nahe von Nelspruit. Hier verbrachten wir entspannte 3 Tage in der schönen Thokozani-Lodge (http://www.thokozanilodge.com/de/). Einen ganzen Tag lang fuhren wir Richtung Blyde River Canyon und entdeckten wunderschöne Ecken. Wasserfälle alle paar Kilometer begleiteten uns den ganzen Weg. Diesen Trip können wir trotz gut 200km Fahrt nur wärmstens empfehlen! Es lohnt sich wirklich jeder Kilometer.
Einen Tag vor meinem Abflug ging es dann nach Johannesburg, wo wir im Brown Sugar Backpacker unterkamen. Wir saßen beinahe wie versteinert auf der Terrasse und konnten überhaupt nicht verstehen, dass das die letzten 24 gemeinsamen Stunden sein sollten. Und dann ging es auch schon zum Flughafen. Noch kurz etwas orientierungslos umherrennen und schon stand der Abschied an...
Blyde River Canyon
Berlin Falls
Potholes

Und nun sitze ich also schon wieder seit guten 3 Wochen in Deutschland. Ja, ich habe mich wieder eingewöhnt, aber das sollte dieses Mal ja eh nicht so schwer sein. Und trotzdem sehne ich mich jetzt schon wieder zurück. Es war schwer, meine neue Heimat erneut hinter mir zu lassen und ich würde sogar behaupten wollen, dass es noch schmerzhafter war als beim letzten Mal.
Jetzt schaue ich erst einmal nach vorn und warte auf den August, wenn mein Freund mich dann endlich hier in Deutschland besuchen wird. Auch, wenn ich liebend gern wieder nach Mosambik wollen würde, ist es mir auch wichtig, dass er meine andere Heimat einmal kennen lernt. Danach werde ich allerdings garantiert wieder planen, nach Mosambik zu fliegen.

Eure Anni :)



PS: Gestern erreichte mich eine traurige Nachricht, die es mir noch schwieriger macht, nicht doch im Sommer oder besser so schnell es geht, wieder nach Mosambik zu fliegen. Mein "mosambikanischer Cousin" Helton, seine Ehefrau und ihr gemeinsames Baby gerieten am Wochenende auf dem Heimweg von Südafrika nach Mosambik in einen Verkehrsunfall und verstarben sofort. Ich hatte eine gute Bindung zu Helton, freute mich immer, wenn ich ihn auf einer Familienfeier sehen konnte. Als ich Anfang März gerade in Südafrika ankam, schrieb er mir, wie traurig er sei, dass wir es nicht noch einmal geschafft hätten, uns zu sehen. Und jetzt ist er einfach weg...
Ich wünsche allen Angehörigen und Freunden von Helton und Suzy viel Kraft. Ruht in Frieden, ihr wart wunderbare Menschen, die viel zu früh von uns gegangen sind.

Samstag, 5. März 2016

Ein Lebenszeichen...

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Hallo ihr Lieben,

ja ich lebe noch und schreibe auch. Mittlerweile sitze ich allerdings schon wieder in Dubai und warte auf den letzten Flug dieser Reise. Der nächste Eintrag kommt, versprochen, doch musste ich die Zeit einfach in vollen Zügen genießen. Und dann beantworte ich auch die ein oder anderen Fragen, versprochen! Aber das soll es erst einmal gewesen sein, nicht, dass sich noch jemand Sorgen macht. Auch meine Eltern sind vor 2 Wochen wieder gut in Deutschland gelandet.
Von mir dann also in den nächsten Tagen mehr. Ich lasse auch definitiv nicht lange darauf warten!


Mit den liebsten Grüßen an alle meine Leser steige ich nun also in den Flieger.

Eure Anni :)

PS: Ja, ich werde noch einmal nach Mosambik fliegen, aber für dieses Jahr sind erst einmal andere Pläne wichtig.

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Samstag, 6. Februar 2016

Es riecht nach Geschichte(n)...

Hallo ihr Lieben,

Endlich gibt es ein erstes Lebenszeichen zu später Stunde!

Ich sitze auf der Ilha de Mocambique, wo selbst um diese Uhrzeit noch Temperaturen von knapp 30°C herrschen, und lasse mir das letzte Bier des Abends schmecken. Unsere Reise im Norden kommt schon bald zum Ende und ich denke, es ist an der Zeit, ein kleines Resumee zu fassen.

[Ach wie schön, jetzt ist der Strom ausgefallen und auf einmal ist es so unheimlich ruhig auf diesem schönen Fleck Erde...]

Der Norden Mosambiks hat uns (und tut es auch immer noch) gut gefallen, auch wenn uns die Regenzeit hier doch stärker beeinflusst, als gedacht. Es tat gut, erst einmal etwas Zeit in Pemba gehabt zu haben, um anzukommen. Ich war sehr glücklich, wieder portugiesisch zu sprechen und mich einfach wieder etwas mosambikanisch zu fühlen. Ich konnte mich an den luftigen, nicht-sättigenden Brötchen erfreuen, der süße Tee, das milde Klima und der leichte Salzfilm, der sich auf meiner Haut ablegte – das alles und noch vieles mehr ist Mosambik.

Es tut so gut, wieder hier zu sein.

6 Stunden entfernt von Pemba (mit dem Auto durch knietiefe Pfützen sowie mit dem Dhau durch den Indischen Ozean) erreichten wir die fast menschenleere Ilha de Ibo. Hier verbrachten wir entspannte 3 Tage im „Cinco Portas“, welches wir aufgrund von Chris und seiner wahnsinnig guten Kochkünste nur wärmstens empfehlen können! Er beeindruckte uns auch durch seinen Lebensweg, viele bunte Geschichten und vor allem die, wie er nach Ibo kam.

Auf der Ilha fühlt man sich zurückversetzt in die Kolonialzeit, als es sich wohlhabende Portugiesen hier gut gehen ließen. Dieser Fleck Erde riecht schon beim Betreten nach Geschichte!

Wir unternahmen neben einer „Stadttour“ auch einen Ausflug mit einer typischen Dhau. Hier bekam ich die einmalige Gelegenheit, mit Delfinen zu schwimmen und ihnen schnorchelnd beim Spielen zuzusehen. Anschließend „strandeten“ wir auf den berühmten Sandbänken.

"IBO International Airport"

Mit einem kleinen Flugzeug (max 6 Personen inkl. Pilot) flogen wir letztendlich zurück nach Pemba und bekamen somit die Möglichkeit, uns die Quirimbas von oben anzusehen. Sie sind berühmt für ihre Mangrovenbäume, durch die man bei Ebbe gehen und so einige Meerestiere „ernten“ kann. So passiert es auch ab und an, dass man bei sehr niedrigen Wasserstand von einer zur anderen Insel laufen kann.

Angekommen in Pemba ging es gleich weiter Richtung Ilha de Mocambique. Diese liegt knappe 500km südlich von Pemba in der Nähe von Nampula und Nacala. Hier übernachten wir nun im Hotel Escondidinho (The Hidden Hotel) und atmen auch die Geschichte dieser bedeutenden Insel ein. Durch eine 3,5 km lange Brücke ist diese gut vom Festland aus zu erreichen. Bis 1898 war sie die Hauptstadt von Mosambik, ehe sie vom damaligen Lourenco Marques (heute Maputo) abgelöst wurde. Sie war eine der wichtigsten Handels- und Anlaufpunkte im südlichen Afrika für Inder, Chinesen, Portugiesen, Franzosen und weitere bedeutende Handelsmächte. Die Kultur auf der Insel ist stark muslimisch geprägt, aber auch indische und chinesische Kunst findet man immer wieder. Die Insel ist in zwei Teile unterteilt: Steinstadt und Lehmstadt. In der ersteren findet man noch heute die alten Gemäuer damaliger Zeiten, wie zum Beispiel das ehemalige Hospital oder das Fortaleza mit dazugehöriger „Capela de nossa Senhora do Baluarte“.

Doch so schön die trotz des einigen vergangenen Jahrzehnten teils gut erhaltenen Paläste und Kapitänshäuser sind, umso grausiger ist die Geschichte dahinter. Der Sklavenhandel und der Bürgerkrieg hinterließen auch hier ihre Schatten. Im ehemaligen Gouverneurspalast erzählte man uns heute, man habe den indischen Handwerkern, die die unglaublichen schönen Möbel des Palastes mit viel Mühe und Können herstellten, nach getaner Arbeit die Hände abgeschlagen. Die Steinstadt wirkt bis auf wenige renovierte Regierungsbauten, Unterkünfte und Bankautomaten verlassen und dennoch prächtig. Man fühlt sich in die Zeit zurückversetzt, in der die Rikschas Hauptverkehrsmittel auf der Insel waren.

Das „richtige Leben“ findet man in Makuti, der Lehmstadt. Hier wohnt die Mehrzahl der ca. 14000 Einwohner der Insel in eher ärmlichen Umständen. Die typischen Lehmhütten stehen nur wenige Meter entfernt von den prächtigen, zerfallenden Bauten.

Doch auch hier vermisse ich das lebendige Leben. Es ist, als wenn die Insel in Zeitlupe atmet. Zur Zeit finden auf Grund der Regenzeit nur wenige Touristen den Weg zur Ilha de Mocambique – vielleicht liegt es (leider) wirklich daran.

Seit 1991 gilt die Ilha de Mocambique als UNSECO Weltkulturerbe.


Wir sind also wieder angekommen, merken allerdings, wie sich Süden und Norden in Mosambik deutlich unterscheiden. Noch haben wir einen Tag auf der Ilha und einen weiteren Tag in Pemba vor uns, bevor wir am Dienstag nach Maputo kommen werden.


Ich hoffe, das kleine Update gefällt euch und gibt euch einen ersten Eindruck von unserer Reise.
Wen die Geschichte der Ilha de Mocambique noch nicht loslassen kann, der möge sich hier einen kleinen Eindruck holen:



Bis demnächst, dann aus Maputo. Schwüle und historische Grüße an euch fleißige Leser.



Eure Anni :)

Freitag, 29. Januar 2016

Ich packe meinen Koffer...


Hallo ihr Lieben,

Es ist Freitag, der 29.01.2016, die letzte Prüfung ist geschrieben, das erste Semester beendet und gebührend gefeiert worden. Es ist nun 186 Tage her, dass ich wieder in Deutschland bin.
Morgen ist es so weit und ich werde wieder nach Mosambik fliegen. Nur ich? Nein, auch meine Eltern kommen mit, denn auch sie haben sich damals in dieses Land verliebt. Damit ihr einen kleinen Überblick bekommt, werde ich kurz von unseren Reiseplänen erzählen:

1. Reiseabschnitt - Der Norden Mosambiks

Wir fliegen morgen Abend von Düsseldorf über Dubai, Dar-es-Salam nach Pemba, Mosambik. Dort werden wir erst einmal bleiben, ankommen und uns an das Wetter gewöhnen.
Dann geht es weiter auf die Insel Ibo, die zu den Quirimbas gehört. Diese sind auch bekannt als die ,,Karibik Afrikas" und wir sind wahnsinnig gespannt! Historie trifft Traumstrände und eine beeindruckende Unterwasserwelt.
Nach 3 Tagen fahren wir weiter zur Ilha de Mocambique, der ehemaligen Hauptstadt(insel). Auch hier werden wir viele historische Eindrücke gewinnen können.

2. Reiseabschnitt - Maputo, meine Heimat, und der Süden Mosambiks

Nachdem wir es uns 10 Tage lang gut gehen lassen, fliegen wir weiter nach Maputo, meiner zweiten Heimat. Dort werden wir meine Gastfamilie besuchen und das Hauptstadtleben genießen.
Dann geht es weiter nach Vilanculo mit Zwischenstopp in Zavora. Vilanculo liegt vor dem Bazaruto-Archipel, welches wir uns definitiv aus nächster Nähe ansehen wollen!
Zu guter Letzt lassen wir den Urlaub am Strand von Tofo ausklingen - schon an Silvester 2014/2015 waren meine Eltern begeistert davon!
Sie werden dann von dort nach dem gemeinsamen dreiwöchigen Urlaub wieder nach Hause fliegen, während ich zurück fahre nach Maputo. Da meine Semesterferien 5 Wochen lang sind, möchte ich diese auch ausgiebig nutzen.
Ich werde noch ein paar Tage in Maputo bleiben, dann allerdings nach Swaziland und später nach Johannesburg fahren, um von dort ebenfalls wieder nach Deutschland zu fliegen.

Wie ihr seht, ist auch dieses Mal wieder viel geplant! Wir freuen uns sehr auf die Sonne, das erste kühle Bier und darauf, einfach wieder in Mosambik zu sein!

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Zu guter Letzt zeige ich euch, was so alles in meinen Koffer wandert. Es ist noch etwas Platz übrig, aber das wird sich morgen noch mit Geschenken und Mitbringseln der anderen Freiwilligen füllen.

Hier also für euch: ,,Ich packe meinen Koffer und nehme mit......."


Ich wünsche euch einen schönen Februar und freue mich, wenn ihr uns ab und an auf unserer Reise begleiten werdet!

Eure Anni :)

Freitag, 15. Januar 2016

Fernweh und Heimweh.



Es bringt nichts, ich muss wohl wieder ran...

Hallo ihr Lieben,

Ja, ihr habt richtig gesehen: Ein neuer Eintrag. Ich möchte wieder schreiben, habe ich es doch sehr vermisst, meine Worte und Gedanken mit euch zu teilen. Und auch, wenn ich kein Mensch großer Worte bin und des Öfteren lieber vor mir dahin schweige, so kitzeln meine Finger schon seit längerem. Ein halbes Jahr ist es also her, dass ich wieder in Deutschland gelandet bin. Mein erstes Semester als Studentin findet gerade seinen krönenden Abschluss in der allseits beliebten stressigen Klausurenphase und so nebenbei stelle ich mein Leben auf den Kopf. Mit Plänen, Wünschen, großen und auch kleinen Projekten gestalte ich es so bunt, wie ich damals mein tristes Zimmer mit Capulanas dekoriert habe. Und seit letzter Woche hängen auch meine 34qm komplett mit ihnen zu. Ich habe meine Fenster abgedunkelt, trinke ekelig süßen schwarzen Tee, höre mosambikanische Musik und freue mich über jeden Fetzen Portugiesisch, den ich irgendwo zwischen Würzburg und Göttingen im Zug aufschnappen kann. Ich bin gefangen in meiner kleinen Traumwelt, die sich öffnet, sobald ich meine kleine Wohnung betrete und die Tür hinter mir schließe. Ich komme an manchen Tagen nicht raus, weil ich mich so wohl fühle und an manchen Tagen einfach deshalb, weil ich doch so sehr in Erinnerungen schwelge und ganz wehleidig werde. Hunderte Fotos schmücken noch so jedes Stückchen freie Wand und erinnern mich an ein Jahr voller wunderbarer Momente.
Life is a sequence of moments called NOW.

Diese Worte wurden mit der Zeit immer mehr zum Ziel. Mache etwas aus jedem Moment! Denn so, wie ich damals sagte„Ein schlechter Tag in Mosambik ist auch nicht anders als ein schlechter Tag in Deutschland“, so muss ich dies nun anders herum ebenso bestätigen. Und dennoch habe ich da so ein inneres Verlangen. Eine Sehnsucht, Fernweh oder eben doch – HEIMWEH.
Natürlich rede ich auch heute noch mit anderen Personen über mein Jahr in Mosambik, doch ich rede anders. Ich berichte nicht mehr, sondern ich lebe meine Geschichten. Ich erlebe sie in meinem Kopf noch ein zweites, drittes, zehntes Mal, damit ich sie ja nie vergessen werde. Und dennoch verliere ich mit der Zeit immer wieder einen kleinen Teil meiner Geschichte. Ein kleines Detail, was unter geht. Ich specke den Inhalt meiner Geschichte ab, doch die Emotionen, die ich beim Erzählen zeige, nehmen zu. Ich habe ein trauriges Lächeln auf dem Gesicht und erinnere mich gern an Mosambik. Und es kommt nicht selten vor, da liege ich in meinem Traum wieder in meinem kleinen Zimmerchen, Aillen neben mir, wir lachen und eigentlich bin ich doch total genervt von ihr. Manchmal werde ich mitten im Traum wach, weil ich denke, es kommt jemand in der Nacht in unsere Stadtwohnung geplatzt und dann merke ich, dass es doch wieder nur die anderen Mädels waren. Ach, so einiges vermisse ich und dennoch ist es auch schön, hier zu sein. Ich habe wieder eine Aufgabe gefunden. So bin ich zufrieden mit meiner Studiengangswahl, engagiere mich auch weiterhin ehrenamtlich und möchte meine Leidenschaft zu schreiben in Zukunft mehr Raum geben. Beim Freiwilligenmagazin mitten.drin (www.freiwilligenmagazin.de) habe ich Menschen getroffen, mit denen ich mich schon nach kurzer Zeit wohl fühlte.
Ich freue mich auf viele weitere bereichernde Gespräche mit inspirierenden Gedanken. Ich bin neugierig auf verrückte Ideen, spontane Pläne und unbegreifliche Momente.
Ich habe mein Leben mal mehr und mal wieder weniger „im Griff“. Und manchmal macht es Spaß, aus der Reihe zu tanzen. Dann entfliehe ich der grauen Welt wieder und verkriech' mich in meiner Höhle aus Melancholie und Gefühlsduseleien. Gucke mir Filme und Dokumentationen übers Reisen an, lese Bücher über Menschen, die mit dem Fahrrad bis Shanghai fahren. Und wünschte mir, ich könnte das auch.
Ich weiß, ich kann das. Aber ich mache es nicht. Doch ab und an wird wieder aus der Reihe getanzt. Die Reihe, in der ich sonst gemeinsam mit meinem Ehrgeiz und meiner Disziplin anstehe. Vor uns wartet auch noch die Ungeduld, die Pünktlichkeit und die Ordnung. Diese drei sind mittlerweile nicht mehr all zu gute Freunde. Und dennoch holen sie mich ab und an wieder ein und erinnern mich daran, wie vernünftig ich doch sein kann. Doch dann kommt wieder die mosambikanische Melodie und fordert mich zum Tanzen auf....

Ich verwirre euch, und meine Gedanken sind vielleicht nicht nachvollziehbar. Doch ich will wieder schreiben und ich möchte euch nun nach einem halben Jahr auch wieder daran Teil haben lassen. Ich weiß nicht, in welche Richtung das hier gehen wird, doch das ist es doch, was es für euch so spannend machen sollte, mal wieder einen Blick auf diese Seite zu werfen.
Ich freue mich auf Kommentare, Gedanken oder einfach liebe Worte. Und wenn ihr einfach still lesen wollt, so dürft ihr das natürlich auch.


Ich werde wieder reisen – denn in zwei Wochen fliege ich wieder nach Hause.

Eure Anni :)


Sonntag, 2. August 2015

An Freunde, Bekannte, Familie und alle anderen fleißigen Leser.

Hallo ihr Lieben, 

Seit nun 6 Tagen bin ich schon wieder in Deutschland, meiner alten und dennoch neuen Heimat. Nachdem der Abschied am Montag und die Ankunft am Dienstag Morgen keine leichten Aufgaben darstellten, so fange ich mittlerweile an, mich wieder an dieses Land und meine Umgebung zu gewöhnen. Ich habe mittlerweile die Schlüssel für meine Wohnung in Holzminden, der Großteil der Umzugskartons ist bereits gepackt und so richtig angekommen fühle ich mich dennoch nicht. Ich stehe zwischen den beiden Abenteuern Mosambik und Studium und kann mich nicht entscheiden, welches aufregender, beängstigender war/ist. 

Doch bevor ich mein Elternhaus aufs Neue für längere Zeit verlasse, werde ich am kommenden

SONNTAG, DEM 09.08.2015 ab 14 UHR 

eine kleine "WIEDERSEHENS-FEIER" schmeißen. 
ALLE FLEISSIGEN LESER, FREUNDE, BEKANNTE UND FAMILIENMITGLIEDER SIND ZU DIESER SELBSTVERSTÄNDLICH HERZLICH EINGELADEN!!! 
Ich möchte nicht, dass ihr euch gezwungen fühlt zu kommen. Wenn ihr der Meinung seid, ihr habt das ganze Jahr über genug von meinem Abenteuer mitbekommen, so ist das auch in Ordnung ;) Für alle, die dennoch den Weg auf sich nehmen wollen, wartet ein bunter Nachmittag voller Überraschungen auf euch. Neben einer kurzen Berichterstattung soll der restliche Nachmittag eher locker gestaltet werden. Es wird kleine Stationen geben, an denen ihr verweilen könnt, Fotos sehen werdet, Musik hören oder mosambikanisches Essen probieren könnt. Interessierte Freunde eurerseits sind natürlich gern gesehen! Bitte gebt, wenn möglich, in irgendeiner Art und Weise Bescheid, wenn ihr kommen möchtet (Handynummer Mama und Papa, Haustelefon, Email-Adressen [anni95@gmx.net ist wohl am besten!] ). 
 Ich freue mich auf zahlreiches Erscheinen und auf einen interessanten Nachmittag mit euch. 

Das war dann wohl das letzte Mal, dass ihr hier etwas lesen könnt. Ich bedanke mich bei allen fleißigen Lesern, die mir das ganze Jahr über die Kraft und die Motivation gegeben haben, diesen Blog so aufrecht zu erhalten. Ohne euch wären hier wohl nicht so viele Zeilen erschienen, wie ihr sie nun lesen könnt. DANKE!


Eure Anni :)

Hier noch einige Bilder, die ich irgendwie vergessen hatte:

Letzter Arbeitstag: Obligatorisches Füttern nach dem Kuchen anschneiden

Meine Süßen

... und mein Superheld Lousinho

Danke für die schöne Zeit. Beste Kollegin!

Wunderschönes Swaziland

Braai am Abend



Tia Lyria und Vovo an meinem letzten Morgen vor unserem Haus

Letztes Familienbild am Flughafen

Deutschland, da bin ich wieder.


Sonntag, 26. Juli 2015

Ein letztes Mal...

Hallo ihr Lieben,

In 25 Stunden ist es soweit und ich betrete den Flieger, der mich wieder nach Deutschland bringen wird. In 2 Tagen stehe ich in meiner neuen Wohnung in Holzminden, wo ich ab Oktober, nebenbei erwähnt, Green Building studieren werde. Ich habe einen Praktikumsplatz, die verbleibende Zeit im Haus meiner Eltern ist verplant – und dennoch war ich noch nie so „unbereit“ zu gehen, wie heute. Ich sitze in meinem geputzten Zimmer auf gepackten Koffern. Mein mosambikanisches Leben habe ich in nur 2 Gepäckstücke verstauen können. Die große, mir am schwersten fallende Verabschiedung von meiner Gastfamilien, unseren Nachbarn und meinen engsten Freunden steht mir noch bevor. Zum letzten Mal habe ich in den vergangen zwei Nächte mit allen zusammen gesessen, über das vergangene Jahr geredet und gefeiert. Alles „zum letzten Mal“ tun zu müssen fällt schwer, ist kaum auszuhalten und seit einigen Tagen möchte ich eigentlich nur noch durchweinen. Entschuldigt, dass ich mich in letzter Zeit bei so vielen Menschen nicht regelmäßig gemeldet habe, aber die letzten Wochen waren die intensivsten meines Abenteuers – ein Abenteuer, welches zu einem neuen Leben geworden ist.
Da ich diesen Eintrag nicht unnötig in die Länge ziehen möchte und meinen letzten Tag somit verschwenden würde, könnt ihr euch nun meinen offiziellen Abschlussbericht lesen, den ich für meine Organisation ICJA e.V. und das BMZ als Gegenleistung für meine Unterstützung schreiben muss. Bei diesen Berichten gibt es viele spezielle Fragen, weshalb sich der Text nicht sehr flüssig lesen mag. Allerdings war ich abschließend noch einmal sehr ehrlich und habe mir endlich ans Herz gefasst und die Zeit genommen, aufrichtig vor allem über mein Projekt zu berichten. Aber nun lest selbst!


Abschlussbericht – 1 Jahr Mosambik

Ich kann das nicht. Abschied nehmen, ein letztes Mal offiziell dieses Jahr zusammenfassen. Es war für mich nicht nur ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, sondern so viel mehr. Ich lebe hier, habe meine mosambikanische Familie gefunden und kann mir nur schwer vorstellen, dem allen morgen „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Doch ja, wiedersehen werde ich meine neue Heimat schon sehr bald!

Das Jahr hat mich auf persönlicher Ebene deutlich mehr gelehrt als auf fachlicher. Auch, wenn ich besser im Umgang mit bzw. mit der Beschäftigung von Kindern (vor allem Kleinkindern) geworden bin und immer eine wichtige Ansprechperson für die Mädchen darstellte, so weiß ich, dass es nicht meine Arbeit war, die mein Jahr hier ausschlaggebend zu dem gemacht hat, was es nun ist.
Es sind so viele Kleinigkeiten, die mich mein Leben in Maputo auf persönlicher Ebene gelehrt hat:
  • (Beschränkte) Unpünktlichkeit ist in Ordnung, denn man muss der Zeit nicht immer hinterher rennen.
  • Jeder kann Fehler machen, keiner ist perfekt.
  • Wenn du Lust auf etwas hast, dann mach es und lass es dir von niemanden ausreden.
  • Es sind die kleinen Momente, die das Leben ausmachen.
  • Ich kann und sollte meine neu gewonnene Selbstständigkeit in vollen Zügen genießen.
  • Nur selbstbewusst kann man erfolgreich durchs Leben gehen.
  • Spontanität wird mit den schönsten und unerwartetsten Momenten/Erlebnissen belohnt.

Oder um es zusammen zu fassen: Der Weg ist das Ziel, und ankommen will ich nicht mehr. Ich habe mich verliebt, ins Reisen, in Abenteuer, in Spontanität und Gelassenheit.
In diesem Sinne habe ich mich auf interkultureller Ebene insgesamt wohl ziemlich entwickelt; ich bin noch mosambikanischer geworden, vor allem was Themen wie Zeit, Geduld, Wertvorstellungen und Luxus angeht. Ich habe innerhalb eine neue Sprache gelernt, und das besser, als ich je gedacht hätte!

Mit dem Thema „Projekt REMAR“ muss ich trotz all der Lobeshymnen an meinen Aufenthalt hier den negativen Teil des Berichts beginnen, doch zuerst einmal generell.
Als Freiwillige im Zentrum in Liberdade der Organisation REMAR sollten grundlegend immer mindestens zwei Freiwillige arbeiten. Nur so ist es möglich, die 70 Babys, Kinder und Frauen in Gruppen zu organisieren, kleinere Aktivitäten, wie Basteln, Singen, „Sport“ (platzbedingt nur sehr schwer möglich) und vor allem eine Hausaufgabenhilfe für die Schulkinder ein- und durchzuführen. Hier ist Kreativität und Durchhaltevermögen gefragt. Man muss sich von Anfang an Respekt verschaffen – ein Ziel, welches ich bis zum letzten Tag nicht erreicht habe.
Was die Teamarbeit angeht kann ich nicht viel berichten – da es einfach gesagt kein Team gibt. Neben Hannah (Freiwillige Winterausreise Januar 2015) und mir ist zu 80% unserer Arbeitszeit keine weitere verantwortliche Person im Zentrum. Dadurch übernehmen die jugendlichen Mädchen die Führung, worunter die Kinder leiden und auch keine Erziehung stattfinden kann. Allerdings war letzterer Punkt auch mit anwesenden Verantwortlichen nie zu erkennen. Sind die Freiwilligen allein im Zentrum, herrscht oft ein unbeschreibliches Chaos, was nur mit Hilfe der Jugendlichen Mädchen einzuschränken ist. Diese Hilfe nehme ich nicht gern an, denn es beschämt und deprimiert mich, dass ich es bis heute nicht geschafft habe, mir den nötigen Respekt zu verschaffen – aber so läuft das anscheinend, wenn man nicht bereit ist, die Kinder zur Strafe zu schlagen.
Über das ganze Jahr hinweg hatte ich ebenso das Gefühl, als würde es, bis auf unsere süßen Kinder, die einen jeden Tag zum lachen bringen und genauso zurück strahlen, niemanden interessieren, dass wir überhaupt für REMAR arbeiten. Im März kam ein neuer Pastor mit seiner Familie an die Spitze der Organisation – bis heute haben wir Freiwilligen unseren neuen Chef, der er nun einmal ist, nur einmal im Fernsehen gesehen, wie er die Arbeit REMARs in allen Tönen lobt. Es scheint, als wäre das Interesse nicht da, wenn er überhaupt weiß, dass es in Liberdade zwei Mädchen gibt, die jeden Tag mit neuen Ideen den Tag der Kinder verschönern wollen. Für die Kinder und mich war mein Abschied vor zwei Wochen schwer, doch ich habe mich nicht von REMAR verabschieden müssen – dort war ich gefühlsmäßig nämlich nie angekommen. Ich fühlte mich nie wohl, nie als Teil eines Projektes, dem alles daran liegt, Waisen- und kranken Kindern und Frauen mit Drogenproblemen zu helfen. Eher fühlte ich mich gefangen in einer „Sekte“, die Spendengelder in falsche Hände fließen lassen und wo Kinder jeden Tag den gleichen widerlichen, schlecht aufbewahrten Fisch zu Gesicht bekommen – und nein, ich übertreibe nicht, das ist die traurige Wahrheit. Bis heute weiß ich ehrlich gesagt nicht, was REMAR eigentlich genau ist, was in allen Zentren getan wird geschweige denn wo es noch weitere Standorte in Mosambik gibt. Diese Fakten haben mich in meiner letzten Arbeitsperiode immer wieder begleitet, als ich darüber nachgedacht habe, inwiefern sich meine Vorstellungen erfüllt haben: Leider gar nicht.
Ich habe mein Jahr hier durchgezogen, was das Projekt angeht, möchte auch nicht zu negativ von allem berichten, aber dennoch bin ich der Meinung, dass das Projekt REMAR nicht geeignet für Freiwillige ist. Natürlich bereitet man den Kindern wie schon gesagt jeden Tag eine riesige Freude, allerdings wiegt der Punkt der nicht mal ansatzweise bestehenden Anerkennung zu schwer dagegen. Ich liebe die Kids, hätte sie am liebsten nie wieder losgelassen oder würde noch so gern so viele spannende, ausführliche, ehrliche Gesprächen mit den Mädchen führen, doch dennoch ist es nicht das, was meinen Freiwilligendienst im Punkte der Arbeit zu einem unvergesslichen Erlebnis hat werden lassen.

In ganz anderen Tönen kann ich bis zum Schluss von meiner Gastsituation berichten. Ich bin innerhalb der letzten 12 Monate zu einem Teil der Familie geworden, werde „Filha“ (Tochter) oder „Mana“ (Schwester) genannt. Für meinen Abschied morgen haben sich alle freigenommen, begleiten mich zum Flughafen. Auch schmieden sie schon jetzt Pläne für meinen ersten Urlaub in Mosambik genauso wie sie anfangen, Geld zu sparen, um mich besuchen zu kommen. Ich konnte mich meiner Meinung nach komplett sozial integrieren, fühle und verhalte mich wie „daheim“ – Wo war das noch gleich?

Abschließend betrachtet: Meine eigentlichen Erwartungen wurden zu vielleicht 20% erfüllt, in anderen, neuen Apsekten, an die ich vorher nie denken konnte, wurden sie ums Tausendste übertroffen! Meine Arbeit entsprach nicht meinen Vorstellungen, allerdings habe ich portugiesisch fließend sprechen gelernt, konnte mich in eine neue, mir total unbekannte Kultur integrieren und habe ein eigenes Leben aufgebaut. Meiner Meinung nach rücken alle Erwartungen in den Hintergrund, wenn man alle neu erhaltenen persönlichen Erfahrungen dagegen erkennt!
Seitens unserer hier verantwortlichen Organisation AJUDE war die Unterstützung eher eingeschränkt und dennoch hatte ich nie ein hilfloses, verlorenes Gefühl. Nur in Bezug auf das Projekt hätte ich mir innerhalb des Jahres auch von dieser Seite mehr Unterstützung erhofft.
Final gesehen hätte ich mich mehr ins Projekt einbringen können, oder müssen. Doch wie, wenn Motivation verloren geht und Anerkennung/Bedeutung nie gezeigt wird? Ein für mich schwieriger Punkt… Zudem hätte ich mir rückblickend ein noch sozialeres Leben aufbauen können, indem ich Hobbies, wie die mosambikanische Tanzgruppe (hat sich im Februar aus Platzgründen auflösen müssen) weiter und intensiver verfolgt hätte. Generell würde ich, hätte ich die Möglichkeit, noch einmal von vorn anzufangen, nicht so schnell aufgeben, sei es im Projekt oder im Alttag. Mittlerweile weiß ich, dass alles gut wird, wenn man es nur durchzieht, sich einen Ruck gibt. Dennoch bin ich der Meinung ich habe das für mich Beste aus diesem Jahr geholt, habe es in vollen Zügen genossen und bin einfach nicht bereit, jetzt Abschied zu nehmen.


Danke, Obrigada, Khanimambo – Mocambique, minha nova terra!

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Wir sehen uns in Deutschland, meine Lieben.

Eure Anni :)

Mittwoch, 8. Juli 2015

341 Nächte... Sentimentale Gedanken.

Hallo ihr Lieben,

Dieses Mal ist es also wirklich 4 Wochen her und ja, ich fühle mich schuldig. Ich sitze mittlerweile nicht mehr nur im Gedanken auf gepackten Koffern sondern so allmählich auch in der Realität. Noch 19 Tage, 18 Mal noch die Augen schließen. Ich fange an, wieder über Deutschland und auch auf deutsch zu träumen. Meine Klamotten sind aussortiert: Einige im Projekt, andere im Koffer und die letzten noch in meiner Kommode. Noch zieren die vielen Bilder meine Zimmerwand, noch kann ich nicht aufhören, meine Wäsche zu waschen und auch, wenn mir noch etwas Zeit bleibt, so reicht das hinten und vorn schon lange nicht mehr aus. Meine obligatorische „To-Do-Liste“ wird immer länger, als dass sie sich leert, die Einkaufsliste platzt aus allen Nähten und auch mein Kopf und Herz bekommen nicht mehr alles geordnet. Was in den letzten Wochen alles passiert ist, kann ich euch demnach nicht ansatzweise so detailliert beschreiben, wie ihr es gewohnt seid. Ein „Auszeit-Wochenende“ im Paradies Quissico, Masseneinkäufe auf dem Kunstmarkt, die den Rahmen schon jetzt deutlich sprengen, Nachmittage beim Schneider, die letzten Tage auf der Arbeit, erste sehr schwere Abschiede von so liebgewonnenen Menschen. So langsam zersplittert mein Leben hier: Ich möchte gar nicht wissen, wen und was ich unbewusst schon ein letztes Mal gesehen oder getan habe; alles scheint in verschiedene Richtungen zu treiben – voran oder eben noch einmal kurz zurück in die Heimat, bevor das nächste Kapitel geschrieben wird. Bei mir öffnet sich in 3 Wochen die Tür in das Studentenleben und auch wenn ich weiß, dass ich dieses Jahr abschließen muss, so werde ich den Schlüssel der Tür meines Jahres in Mosambik nie im Schloss umdrehen können – und wollen. Ich weiß, dass ich ganz bald wieder komme.
Familie, Freunde, Freizeit – AUSZEIT. Auch, wenn ich mich von dieser ganzen „Freiwilligenjahr-Sache“ wohl wesentlich mehr und Anderes erhofft habe, so gewinne ich doch eigentlich viel mehr: eine neue Heimat.

Heimat ist, wo dein Herz ist.“

und meins zerreißt gerade sehr schmerzhaft. Man muss wohl schauen, wie man auf Dauer einen Kompromiss finden kann…
Nur noch ein letzter Arbeitstag liegt vor mir und auch, wenn das jetzt vielleicht merkwürdig klingt, freue ich mich, bald aufzuhören. In den letzten 2 bis 3 Wochen sind noch einmal unschöne Dinge passiert, die natürlich dennoch nichts daran ändern können, dass ich meine kleinen Schätze schrecklich vermissen werde – Danke, dass ihr es jeden Tag schafft, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern!
So sehr mich das Reisefieber in diesem Jahr auch gepackt hat (ich denke, das haben die fleißigen Dauerleser deutlich gemerkt), so bleibe ich Maputo (bis auf einen kleinen letzten Wochenend-Abstecher ins schöne Swazi) für den Rest meiner Zeit in Mosambik treu. Noch ein letztes Mal den lauten, staubigen Alltag der Straße aufsaugen, mich mit meiner Gastmutter streiten und am nächsten Tag so tun, als wäre nichts passiert. Noch ein Mal mit den Mädels richtig feiern, die letzten Nächten in unserem Appartement schlafen. Den letzten Hamburger in Museu essen, die letzte viel zu süße Fanta trinken. Die letzten Einläufe erledigen, die verbliebenen Capulanas nach Chopal zum Schneider bringen. Noch ein letztes Mal „mosambikanisch“ fühlen, das letzte portugiesische Wort sprechen. Die Liste nimmt kein Ende.

Doch wisst ihr was? Ich freue mich auf Deutschland, darauf, meine alte Heimat wieder neu für mich zu entdecken. Ich freue mich auf den kleinen Luxus, wie fließendes warmes Wasser, Waschmaschinen, eine konstante Energie- und eine ausgezeichnete medizinische Versorgung – diese Privilegien sollten wir uns viel öfter vor Augen führen.
Die Freude, bei den bei euch zur Zeit herrschenden Temperaturen mit dem Fahrrad zum Straussee zu fahren oder mir den Wind auf meinem Roller um die Ohren wehen zu lassen, lässt mich an den kalten Abenden hier vor mich her schmunzeln. Ich freue mich auf überbackenen, zerfließenden Käse, Nutella, saure Knoblauchgurken, Schnitzeln, Currywurst, Nudelsalat, Gummibärchen und Mamas selbstgemachte Erdbeermarmelade. Ich freue mich auf euch, meine Familie, meine Freunde – meine eben andere, alte Heimat.

Ja, darauf freue ich mich und ich finde, dass Leid und Freud sich so langsam die Waage halten.

Das soll es für heute schon wieder gewesen sein. Kein detaillierter Tages- bzw. Wochenrückblick. Dieses Mal eben etwas Abschiedsschmerz und hin- und her rennende Gedanken. Doch seid euch einer Sache sicher: Der letzte Eintrag (den ich hoffentlich noch aus Mosambik schaffe zu schreiben) wird am schlimmsten.

Ich vermisse euch, freue mich auf euch, möchte eigentlich gar nicht los und schließe in wenigen Stunden zum dreihunderteinundvierzigsten Mal meine Augen in Mosambik.


Eure Anni :)
Der 3. Geburtstag von Aillen in ihrer Vorschule

Mosambik feiert 40 Jahre Unabhängigkeit im Estadio da Machava

 

Mittwoch, 10. Juni 2015

Abschied, Bushfire, Alltag - 48 Tage!

Hallo ihr Lieben,

„Anni, das sind jetzt schon wieder drei Wochen geworden“, höre ich euch sagen… Ja, ich weiß, aber ich komme einfach nicht mehr zum Schreiben. Zu viel passiert, zu viel Durcheinander, die Ereignisse überschlagen sich nur noch und ich – bin zum Opfer dieser fiesen Masche geworden. Diese Masche, die sich ZEIT nennt. Sie hat mich wieder. Aber nun erst einmal der Bericht:

Verzeiht, wenn ich gleich zu Beginn eine gute Woche weglassen muss, doch ehrlich gesagt kann ich mich kaum erinnern, was ich in der besagten Woche nach meinem letzten Eintrag außergewöhnliches getan habe. Ich weiß noch, dass das Filmfestival, von dem ich das letzte Mal berichtete, zu Ende ging. Zum Abschluss lief zunächst noch einmal „Nachtzug nach Lissabon“ und als Krönung eine knapp einstündige Dokumentation über das Leben behinderter Menschen in Maputo. Diese kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen!
Außergewöhnliches ist allerdings dann doch noch etwas passiert, wozu ich euch im letzten Beitrag noch hingehalten habe. Nachdem Cynthia noch eine letzte Woche Mosambik genoss und Urlaub machte, bereiteten Hannah und ich eine kleine Überraschung für unsere liebe Kollegin vor. Über mehrere Tage versuchten wir, unseren kleinen Schätzen den „Cup Song“ beizubringen, dichteten den Text passend für Cynthias Abschied um und zeigten ihr am darauf folgenden Mittwoch unser kleines Liedchen. Nicht nur die Kinder hatten viel Spaß bei der Sache, sondern auch Cynthia ging diese Überraschung direkt ins Herz. Für die Kinder gab es an diesem Tag Schokolade, viele Umarmungen und Bilder mit ihrer Tia Cynthia. Die Liebe musste leider schon wieder gehen, da sie nur einen Kurzzeitfreiwilligendienst geleistet hat, der nur knapp 3 Monate dauern sollte. Nun ist sie also schon wieder seit 1 ½ Wochen in Deutschland und schickt uns verwirrte Bilder von leeren Bussen, erzählt von sauberen Straßen und wie unselbstverständlich ihr allein nur fließendes Wasser aus der Leitung vorkommt… Weiter: Am Abend beschlossen wir, in kleiner Runde auf Cynthias Abschied zu trinken, waren essen und unterhielten uns viel bis wir schließlich müde im Appartement unsere Augen schlossen.
Am nächsten Morgen gingen wir noch gemeinsam einen Kaffee trinken bevor es für Hannah und mich hieß: BUSHFIRE – das Wochenende, auf das man als Freiwillige in Mosambik (bzw. südliches Afrika) irgendwie seit Beginn seiner Reise hinfiebert. Wir hatten uns dazu entschieden, bereits einen Tag vorher anzureisen, da auch Dennis schon am Donnerstag aus Südafrika kommen sollte. Nachdem wir 3 Stunden darauf gewartet hatten, bis das Chapa nach Manzini, Swazi, dann auch endlich losfuhr, kamen wir knapp zwei Stunden später an der Grenze an. Zoll, Polizei, normale Einreisekontrollen – das übliche Blabla nunmal. Problem: Eine Gruppe von Frauen hatten 5 große Säcke an Schuhen auf dem Trailer aufgeladen, die innerhalb der folgenden 1 ½ Stunden alle rausgeholt und kurze Zeit später wieder in die Säcke gestopft wurden. Dadurch verloren wir kostbare Zeit, die wir bei unserer Ankuft in Manzini gut hätten gebrauchen können: Nein, es fahren keine Minibusse mehr zum Bushfire. Wir hatten dennoch Glück, wurden von einer der Frauen mit dem Auto zum „House on Fire“ gebracht und trafen dort auf Yohanna, Yok und Dennis. 20:30 Uhr. Das war eine Anfahrt… Wir bauten unsere Zelte auf und verbrachten eine letzte lange Nacht. Vom Festival an sich kann ich leider gar nicht so viel erzählen. Dafür, dass alle dieses Festival sooooo sehr beworben haben, hat es mich eher enttäuscht. Kein Feuer habe ich gespürt und irgendwie war mir und auch Hannah das alles etwas zu kommerziell. Wir haben die Tage weg von Maputo genossen, und dennoch war ich froh, dass ich Sonntag Abend (nach 3 Stunden Schlange stehen an der mosambikanischen Grenze) wieder portugiesisch sprechen und auf meiner Matratze auf dem Boden einschlafen konnte. Tut mir leid, wenn ich damit meine Ausführungen zum Bushfire schon wieder beende, aber daran merkt ihr vielleicht, dass es mich wirklich nicht sonderlich überzeugt hat.
Den darauf folgenden Tag war, wie ihr bestimmt wisst, internationaler Kindertag. Wir fuhren ins Hauptzentrum von REMAR, wo angeblich eine große Feier stattfinden sollte. Dort angekommen wurden wir nur verdutzt angeschaut und uns wurde erklärt, dass wir leider einen Tag zu spät sind. Die Kinder aus Liberdade, die gerade in der Schule waren, fragten uns traurig, was wir denn erst heute in Machava machten. Wir beschlossen also, dennoch kurz in Machava zu bleiben und uns dieses Zentrum mal genauer anzusehen. Anlass hatten wir, denn seit Ende Mai steht fest: Alle Kinder aus Liberdade bis 10 Jahren (einschließlich die drei Mütter) ziehen um! In Machava wurde schon seit gut einem Jahr ein riesiges Wohnhaus gebaut, welches nun endlich fertig gestellt und einzugsbereit gemacht werden soll. Es ist riesig, unheimlich viele Zimmer, zwei Etagen, Balkone, unzählige Badezimmer – wenn hier erst einmal Leben in der Bude ist, kann das zu einem unheimlich schönen Wohnhaus für unsere Schätze werden! Ja, ihr lest es schon richtig: Wie es mit der mosambikanischen Gemütlichkeit natürlich kommen musste, sind unsere Kiddies natürlich nicht wie versprochen zum 1. Juni umgezogen sondern „versauern“ immernoch in Liberdade. Auch für Hannah und mich ist das blöd, da auch wir das Zentrum wechseln und fortan in Machava arbeiten sollen. Dementsprechend kann vor allem ich keine wirklich langen Wochenenden planen, die ich gern noch einmal nutzen wollen würde, um mich von meiner Heimat zu verabschieden. Wir möchten einfach beide nicht den ersten Tag im neuen Haus mit unseren Kleinen verpassen. Wir freuen uns sehr auf den Wechsel, da wir (mal wieder) in einem Trott gelandet sind, wo so etwas wohl helfen könnte. Für Hannah kommt das gerade rechtzeitig, für mich gefühlt viel zu spät. So viel Trubel, Neuigkeiten und Veränderungen kann ich in meinen letzten Wochen hier eigentlich nicht mehr gebrauchen, aber natürlich freue ich mich dennoch, wenn ich wenigstens noch die erste Zeit im neuen, schönen Haus arbeiten kann und vor allem die Freude der Kleinen jeden Tag miterleben kann.
Über meine Freizeit in der letzten Zeit kann ich auch noch kurz erzählen: Am Samstag war ich mal wieder auf dem Kunstmarkt und ich fing langsam an, Souvenirs zu kaufen (Hinweis: Spezielle Wünsche helfen mir seeeeeeeeeeeeehr!). Am Sonntag fuhren wir nach Katembe und gönnten uns am Nachmittag mal wieder gutes Essen im Fischrestaurant. Meine Abendgestaltung vom Wochenende hat sich nicht groß verändert, was mich allerdings kaum stört. Ich genieße es, meinen Alltag hier noch einmal auszukosten.
Und schon bin ich wieder beim heutigen Tag angekommen. Ich liege erschöpft im Bett, nachdem wir heute einen freien Tag dafür nutzten, noch einmal nach Macaneta zu fahren. Langsam kommt hier der „bitter kalte“ Winter, was mich vor allem deshalb so erschüttert, da ich weiß, dass ihr da oben gerade beginnt zu schwitzen. Immerhin gibt es mittlerweile Tage, an denen ihr tagsüber 10 Grad mehr auf dem Thermometer zu stehen habt als wir…

Das soll es für heute schon wieder gewesen sein. Ich hoffe, dass euch dieser wenn auch etwas undetaillierte Bericht dennoch gefallen hat. Ich bemühe mich, noch mindestens zwei Mal zu schreiben, doch verzeiht mir, wenn ich gerade viel mehr im Kopf habe, meine Zeit hier noch so gut es geht zu genießen.

Kalte, sonnige und heimatliche Grüße schicke ich heute mit auf den Weg – in nur 48 Tagen stehe ich wieder auf deutschem Boden (Oh mein Gott, wie viel Angst mir diese Zahl macht!).


Eure Anni :)

Cynthias Abschiedabend im Sergios

Katermorgen auf dem Bushfire in Swazi

Sonntag Morgen, Bushfire Festival, Swaziland

Dienstag, 19. Mai 2015

,,Mir-fällt-nichts-Kreatives-ein" - Titel

Hallo ihr Lieben,

Gefühlte Ewigkeiten ist es schon wieder her, dass ich euch auf dem Laufenden gehalten habe, und so folgt, was folgen muss: Der nächste Bericht aller Geschehnisse, denn diese häufen sich in letzter Zeit enorm!


Ich fühle mich wie geheilt! Ja, irgendwie ist meine „Ich-fliege-bald-nach-Hause-(oder-ist-das-überhaupt-zu-Hause-?!)-und-komme-gar-nicht-mehr-mit-der-Zeit-klar-die-mir-noch-übrig-bleibt“ - Stimmung verflogen. Natürlich nicht komplett, denn die Zeit sitzt uns noch tiefer im Nacken als in den letzten vergangenen Monaten, aber dennoch habe ich das Gefühl, langsam loslassen zu können. „Ciao“ zu all dem zu sagen, was mir in den letzten fast 10 Monaten so sehr ans Herz gewachsen ist. In 70 Tagen stehe ich wieder auf deutschem Boden und werde noch am selben Tag meine neue Wohnung entgegen nehmen. Ja, ich freue mich darauf, da ich endlich weiß, dass ich nicht in Deutschland ankommen muss und nicht weiß, wohin mit mir.
Umso befreiter kann ich nun die letzten Wochen angehen. Nach dem Zouk-Festival-Wochenende ging es erst einmal weiter mit arbeiten. Cynthia, Hannah und ich sind ein eingespieltes Team geworden, welches sich allerdings schon bald auflösen muss (dazu dann im nächsten Beitrag mehr). Die Arbeitswoche sollte allerdings nur eine kurze werden, da auch hier der 1. Mai als offizieller Feiertag zählt. So hatten wir dementsprechend die Möglichkeit, noch ein klein wenig mehr dieses Landes kennen zu lernen. Viele unserer Freunde entschieden sich, das Wochenende in Ponta d'Ouro zu verbringen, und so schnappten auch Tineke und ich uns ein Zelt, setzten uns ins Chapa und verbrachten – 5 Stunden auf holprigen, sandigen, heißen Straßen. Anmerkung: Die Strecke beträgt nur ca. 75km. Die „Straße“ dorthin möchte ich allerdings nicht einmal als solche bezeichnen. Das Motto unserer Kindheit „Die coolen sitzen hinten im Bus“ ging hier leider nicht auf, da man bei jeder immens großen Bodenwelle derart durchgeschüttelt wird, dass man dann irgendwie doch froh ist, dass es unmöglich scheint, schneller als 30km/h zu fahren.
(Entschuldigt bitte, wenn meine Ausführungen ab jetzt ausführlicher werden, aber die Erinnerungen des Wochenendes möchte ich auch gern für mich so detailliert wie möglich festhalten.) Angekommen bauten wir unser Zelt auf – Platz Nummer 18 wurde uns zwar zugeteilt, existierte allerdings anscheinend nur im System. In der Realität stand unser kleines 5-Sterne-Hotel dann zwischen 17 und 19 inmitten einer großen Wiese, in der prallen Sonne und genau im Blickwinkel aller „strandgeilen“ Touristen. Immerhin konnten wir unser Zelt auch nach langen Nächten so noch leicht finden… Wir gönnten uns Pizza und am Abend ein Bier, bei welchem wir sogleich Bekanntheit mit einem Südafrikaner machten, der seine FlipFlops am Vorabend verloren hatte. (Kurzer Einschub: Ponta d'Ouro ist die Südspitze Mosambiks und somit nur ca. 20 Minuten Autofahrt von der südafrikanischen Grenze entfernt. Ponta ist „weiß“, zu gefühlt 80%, und so kam es nicht selten vor, dass wir den Satz „Willkommen in Südafrika“ mehrmals korrigieren mussten. Ihr seit in Mosambik, verdammt!!!) Der liebe P. erzählte uns also seine Nachtgeschichte und lud uns danach ein, mit zu seiner Unterkunft zu kommen, bei der seine Freunde gerade ein Barbecue veranstalteten. Da wir beide schon ein wenig hungrig waren, folgten wir ihm – wohin, das wusste auch er nicht so recht und so kam es, dass wir nach einem unendlich langem Fußmarsch mit Hilfe von netten Einheimischen irgendwo ankamen, wo alles dunkel war. Jaaa, das Barbecue fand wohl ohne uns statt. Wir gestatteten uns dennoch noch eine Kleinigkeit zu essen und setzten uns auf die Terasse, um den Abend zu genießen, als plötzlich einer der Mitbewohner P's um die Ecke kam und uns ganz verwundert anschaute. Nach der Auflösung der Situation gingen wir zum Strand, wo wir – mit all unserem Glück – direkt an unserem Zelt vorbei liefen. Moment: Wie zur Hölle sind wir fast eine Stunde irgendwo durch die Wildnis geirrt? Ach, dieses Wochenende sollte man einfach keine Fragen stellen… Wir endeten in einer schönen Bar mit guter Musik und ließen so unseren ersten Abend erfolgreich ausklingen. Am nächsten Morgen hatten die Südafrikaner uns zum Frühstück eingeladen, welches wir nicht wirklich absagen wollten. Nein, jetzt schreibe ich keine Details, sonst läuft der Anni, die diese Zeilen später noch einmal lesen wird, wieder das Wasser im Mund zusammen. Später gingen wir zum Strand und lernten auch dort wieder nette Leute kennen, die wie wir auch auf dem selben Platz zelteten. Wir trafen uns alle am Abend in der Strandbar und genossen den Abend des 01.05.2015. Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, tauchen zu gehen. Wir entspannten also, bis es hieß: „Hmmmm, welche Größe hatte nochmal mein Wetsuit?“ Dann ging es auch schon los, doch in Ponta gestaltet es sich auf Grund der extremen Unterschiede zwischen Ebbe und Flut bei zweiterem als gar nicht so einfach, allein nur das Boot ins Wasser zu bekommen, ohne dass es sich komplett mit eben diesem füllt. Irgendwann hatten wir es allerdings geschafft und machten uns auf zum Riff namens „Doodles“, wo ich allerdings nie ankam. Tineke und ich hatte man als „Buddies“ ernannt, was so viel heißt, dass wir gegenseitig Verantwortung für den anderen tragen. Das ist dann wohl schief gegangen, da wir uns bereits beim Untertauchen aus den Augen verloren hatten. So passierte also, was kommen musste: Ich verlor den Anschluss an die Gruppe, fand zwei weitere langsamere Taucher und setzte mit ihnen den Tauchgang und somit die Suche nach der Gruppe fort (ja, es waren erfahrene Taucher ;) ). Nach 20 Minuten mehr oder weniger entspannten und aufregendem Tauchen beendeten wir unseren Ausflug ins Blaue, tauchten nach oben und – waren ungefähr 400 Meter vom Ursprung weggetrieben. Die Strömung darf man im Ozean Mosambiks einfach nicht unterschätzen. Der dennoch amüsante Tag endete mit einer Einladung zum Braai von eben dem Paar, mit welchem ich meinen Trip unternommen hatte. Wir genossen wieder einmal ausgezeichnet gutes Essen, ich ließ mir den Sinn von Rugby erklären, tanzten in der Beachbar und rundeten unseren Tag mit einem Lagerfeuer mit den beiden Jungs vom Zeltplatz und einer Feuer-Poi-Show von eben den selben ab. Auch am nächsten Tag hatten wir unheimliches Glück, da wir eine Boleia (Mitfahrgelegenheit) bis nach Maputo hatten. So mussten wir zwar immer noch die ungemütlichen 75km über uns ergehen lassen, aber dennoch um einiges komfortabler als im Chapa. Dieses Wochenende wird uns beiden noch lang in Erinnerung bleiben, und dennoch wird Ponta definitiv nicht zu meinem Lieblingsort in Mosambik. Erstens: Die Strecke. Zweitens: Die Menschen (ja, wir haben tolle Leute kennen gelernt, aber dennoch ging mir diese „Südafrika-Sache“ ungeheim auf die Nerven). Drittens: Nein, ich habe mich nicht zu Hause gefühlt. Es ist einfach nicht so gemütlich, wie zum Beispiel Tofo oder Quissico.
In den folgenden zwei Wochen geschah nicht viel Außergewöhnliches, von dem ich nicht in jedem Bericht erzähle. Am vergangenen Dienstag zog es uns jedoch ins französisch-mosambikanische Kulturzentrum, kurz Franco, zum Beginn des europäischen Filmfestivals. An jenem Abend wurde das Festival mit dem Film „Nachtzug nach Lissabon“ erfolgreich eröffnet. Am nächsten Tag fühlte ich mich nach der Arbeit allerdings gar nicht mehr gut und so lag ich seit letzter Woche Mittwoch mit Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Fieber und sonstigen Grippesymptomen im Bett und verließ eben dieses bis Samstag auch nicht mehr. Das Wochenende verbrachte ich mit viel Schlaf in der Stadtwohnung, da ich dennoch Gesellschaft brauchte. Sonntag, Montag und auch heute verlief ich mich dann nach der Arbeit wieder ins Franco, da es mir schon viel besser ging. Es liefen „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ (Frankreich), „Die Herbstzeitlosen“ (Schweiz), „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (Schweden) sowie „High Performance“ (Österreich). Die Filme laufen jeweils in Originalsprache mit portugiesischen Untertiteln, was einfach hervorragend dafür geeignet ist, mal seine Sprachkenntnisse zu testen. Auch sind alle Veranstaltungen kostenlos, weshalb wir es mehr als ausnutzen, alle Filme einmal anzusehen.
Und so bin ich schon wieder beim heutigen Abend angekommen. Abend Nummer 69, bevor ich auf dem Flughafen stehe und Abschiedstränen heulen werde.Aber nein, ich werde nicht mehr sentimental sondern freue mich wie ein kleines Kind auf die noch kommenden 10 Wochen. Schon in gut einer Woche geht es nach Swazi, zum Bushfire Festival, danach besucht mich Dennis in meiner neuen Heimat und auch weitere Sachen sind wie gesagt geplant. Pläne, die die Zeit zwar schnell, aber genussvoll und qualitativ hochwertig vergehen lassen werden. Ach, was sage ich. Sie werden so schnell an mir vorbei ziehen, wie die Niagarafälle sich in die Tiefe stürzen.

Bis zum nächsten Eintrag, der hoffentlich nicht wieder 3 Wochen auf sich warten lässt, könnt ihr euch freuen! Jaja, ich weiß, man soll keine leeren Versprechungen machen, doch ich werde sie mit vielen sprachlichen Eindrücken füllen. Wie ihr schon mitbekommen habt, hakt es derzeit mit Bildmaterial, was vor allem an meinem Computer liegt, der so allmählich doch seinen Geist aufzugeben scheint. Auch er möchte eben die schönen Erinnerungen an dieses Jahr nicht mehr hergeben. Verständlich, wie ich meine.

Somit auf ein Baldiges, dass auch in Deutschland so langsam der Sommer kommen mag und ihr alle mit bester Gesundheit und Zufriedenheit in genau diesen Starten könnt!


Eure Anni :)

Sonnenuntergang am Strand

Unsere private Feuerpoi-Show