Von August 2014 bis Juli 2015 habe ich in Mosambik gelebt und gearbeitet. Auf diesen Seiten werde ich von einige Eindrücke und Erfahrungen von meinem Freiwilligendienst in Maputo, der Hauptstadt, berichten. Bitte bedenkt, dass lediglich meine persönliche Sicht auf die Dinge hier zu lesen sein wird und dies nicht zu verallgemeinern ist! Es freut mich, dass ihr hier her gefunden habt!

Samstag, 14. März 2015

im moment … LEBEN!


Jetzt geht es los, mit großen
Schritten mitten ins Leben hinein.
Noch ein wenig, nicht mehr weit
ist der Weg zum Glück.
Er führt vorbei an Zauber,
wunderbaren Momenten und
zwischendurch begegnest du dir selbst.
Nebenbei, nicht am Ende der Wände
findest du zu dir, allein.
So fühlst du dich anfangs
verloren in der neuen Welt.
Begreifst noch nicht,
was sie im Inneren zusammen hält.
Zwei Schritte nach vor, wieder einen zurück -
Diese Welt, sie ist dir plötzlich zu
– SCHNELL!
Die Zeit jagt hinter dir her
und auf einmal hörst du
dich „Heimat“ sagen, wenn du mit
Fremden über deinen Weg sprichst.
Sprichst über rasante, brisante
Achterbahnfahrten, die sich
im wilden Strom deiner
Heimatgefühle verlieren.
Wo dein zu Hause ist, weißt du
schon längst nicht mehr.
Heimat ist eine Reise
zu dir selbst, die dich über
die höchsten Berge führt.
Unbewusst überquerst du Grenzen,
im Kopf, auf der Karte.
Die Wohl größte Grenze
zu dir selbst –
ist noch nicht gebrochen.
Denn noch lebst du im Moment,
willst noch nicht ans Ziel
– Wo ist das eigentlich?
Der Weg führt dich dort hin,
wo du hingehörst.
Und jetzt schließ' deine Augen

und flieg.



Schreibpause. Urlaub. Neues.

Eure Anni :)

Freitag, 6. März 2015

Cada dia e especial.

Hallo meine Lieben,

ja ja ja, ich weiß. Ich bin zu spät dran, aber wie das nun mal so ist, wenn alles funktionieren soll, geht natürlich genau am Anfang der Woche mein Internetstick kaputt. Aber hier ist er endlich, der lang ersehnte Eintrag über die vergangenen 2 ½ Wochen!

In der vergangenen Zeit ist eigentlich nur Alltägliches passiert, wovon ich euch dennoch gern berichten möchte. Die dritte Februarwoche war gefüllt mit trabalho, Arbeit. Auch, wenn wir immer noch nur Halbtags arbeiteten, verlangten unsere Kinder dennoch viel Aufmerksamkeit und Energie von uns. Genauso lief es auch beim Training: Viel Anstrengung und dennoch eine Menge Spaß! Dennoch habe ich so langsam gemerkt, dass mich die Situation mit unserem „Saal“ schon etwas genervt hat.
EINSCHUB FÜR DIE KOMMENTIERFREUDIGE KATHI: Was tanzen wir dort eigentlich? Ich tanze mit der Gruppe namens Milorho. Hier lerne ich zur Zeit 2, später bis zu 8 traditionelle, mosambikanische Tänze. Manche von ihnen beinhalten auch Gesangsparts, größtenteils werden aber die Hüften geschwungen und die Beine in die Luft geworfen. Dazu kommen spaßige Ausrufe und fertig ist die absolute Show!
Am Dienstag habe ich mich mal wieder in den Portugiesisch-Unterricht rein gesetzt. Elias ist immer noch der selbe, verplante Lehrer, den auch wir vor einem halben Jahr kennen lernen durften. Seine Stunden ziehen sich aber auch hin… Am Donnerstag fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt, um Anna Gesellschaft zu leisten, die ihrer Freundin Anna aus Deutschland beim Haare flechten zusah. 4 Stunden haben 4 Frauen ihre langen und dicken Haare geflochten. Stellt euch vor, das macht eine Frau sozinha... Am Freitag Nachmittag wusste ich dann, das dieses Wochenende doch ziemlich anstrengend werden könnte. Geplant waren allein am Freitag drei Stationen für verschiedenste festas. Zuerst ging es wie immer in die Associacao, danach zur Abschiedsfeier eines guten Freunds aus Italien und letztendlich wurde bis in die Morgenstunden im parque dos continuidores getanzt. Es war mal wieder eine gute Nacht, die ich irgendwie auch gebraucht habe. Das besondere: Seit einer gefühlten Ewigkeit waren wir (zumindest in der Associacao) mal wieder alle vollständig! Ich fand es sehr schön, mal wieder mit allen reden zu können. Am Samstag Nachmittag fuhr ich dann mit Hannah und Greta zu Hbonny nach Hause, der uns alle zum Xitike de Matapa eingeladen hatte. Matapa ist ein traditionelles, mosambikanisches Gericht, welches in erster Linie aus einer bestimmten Pflanzensorte, Kokos und Erdnüssen hergestellt wird. Dazu wurde wahlweise Xima oder Arruz serviert. Wir schlugen uns also unsere barigas voll und fuhren am Abend wieder Richtung Heimat. Zu Hause angekommen, total übermüdet von der vorherigen Nacht, standen 10 Minuten später auch meine Gastmutter, Aillen und meine verschollene Gastcousine Nany vor der Tür. Gledice schaute mich mit großen Augen an und bat mich, noch ein Mal in die cidade zu fahren, da sie Nany wegbringen wolle und Angst hat, danach allein nach Hause zu fahren. Als wenn es für zwei Frauen, bei der eine auch noch branca ist, nicht so perigoso wäre, nach Mitternacht noch durch die Straßen Maputos zu fahren... Dennoch tat ich ihr den Gefallen, denn wie ich auf der Autofahrt erfuhr, war dies gleichzeitig der Zeitpunkt, um Abschied von Nany zu nehmen. Sie sollte am nächsten Tag nach 3 ½ Monaten in Maputo wieder nach Quelimane fahren. Am selbigen Tag fuhr ich mit Gledice, nachdem wir beide ausschliefen, nach Zimpeto zu unserer dort lebenden Familie. Nach langer Zeit sah ich einen Großteil der familia wieder, die mich immer unheimlich herzlich aufnehmen. So auch dieses Mal: Mal saß ich mit der Cousine vor dem Fernseher und habe Big Bang Theory geschaut, saß mit dem Onkel auf der Couch und erzählte Geschichten der vergangenen 7 Monate (SIEBEN!!!!!!!!!!!) oder zupfte mit der Tante Erdnüsse von ihren Stielen, um sie später zu kochen oder zu rösten. Es war ein entspannter Sonntag, der mich wieder näher an meine Familie geführt hat. Ich denke, auch Gledice hat gemerkt, dass ich genau das wieder gebraucht habe, um wieder etwas öfter zu Hause zu sein…
In der kommenden Woche starteten Hannah und ich das Volltags-arbeiten-Program. Das heißt, dass wir nun nicht schon zum Mittag essen gehen, sondern den Babys wieder beim Essen helfen, den Schulkindern, die gegen 13 Uhr aus der escola kommen, Essen ausgeben, die Kinder entweder schlafen legen oder sie in den „Ruhestunden“ leise beschäftigen. Zwischen 15 und 16 Uhr heißt es dann dennoch Feierabend für uns. Die Woche war nicht nur durch die nun längeren Arbeitszeiten sondern auch durch einen besonderen Besuch anders als die vorigen. Alisa, die zusammen mit Carla im letzten Jahr hier gearbeitet hat, ist zur Zeit für 4 Wochen wieder in Mosambik und besuchte uns am Mittwoch, um die Kinder mal wiedersehen zu können. Life drückte sogar eine kleine Träne heraus, als er seine Tia Alisa wieder in die Arme schließen konnte. Dieser Tag war wirklich sehr schön, und ich freue mich schon sehr drauf, wenn Alisa demnächst nochmal vorbei schaut! Das einzige, was in der Woche total ins schleifen gekommen ist, war das Tanzen. Nachdem ich am Montag erst richtig motiviert joggen und anschließend tanzen ging, war ab Dienstag einfach die Luft raus. Mich hat jetzt denke ich endgültig die Raumsituations-Depression gepackt, dass ich mich irgendwie nicht mehr motivieren kann. Ich werde im April wohl wieder anfangen, vielleicht auch nächste Woche. Wer weiß das schon… Dennoch war auch das anstehende Wochenende wieder entspannt: Associacao, Familie, Familie, Familie. Am Samstag stand der Geburtstag einer Cousine an, auf den ich mich schon lange gefreut hatte, weil SIE persönlich es war, die mich eingeladen hatte. Ein Zeichen für mich, dass ich in ihrem Kopf zur Familie gehöre. Das macht mich wirklich glücklich! Dennoch lief an diesem Abend in Zimpeto einiges schief, was schlechte Laune bei Gledice auslöste, aber das ist eine andere Geschichte.
Diese Woche startete, wie erwartet, wieder mit Arbeit, Arbeit Arbeit. Allerdings haben wir uns so langsam gut zusammen eingearbeitet, sodass wir seit Ende letzter Woche begannen, vor allem mit den Mädchen, die erst am Nachmittag oder noch gar nicht zur Schule gehen, contas (Matherechenaufgaben) zu machen. Am Ende der Woche bin ich mit einem der Mädchen bereits bei schriftlicher Multiplikation angekommne. Na, wisst ihr noch wie das geht? Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird! Als Ausgleich gab es dann Ausmalbilder oder einfach weißes Papier und Buntstifte, mit denen die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten. So langsam kommt wieder ein System in die Arbeit und ich merke, dass mich genau das näher zum Projekt und vor allem den Kindern bringt. Auch diese Woche sollten wir wieder ganz besonderen Besuch bekommen: Lili, eine der ersten Freiwilligen überhaupt in Mosambik (über unsere Organisation) kam am Dienstag mach Liberdade, da auch sie zur Zeit in Mosambik Urlaub macht. Ich war erstaunt, dass sie, trotz den mittlerweile 8 vergangenen Jahren dennoch noch einige Leute, wie zum Beispiel Tia Sandra und Ana-Paula, kannte. Nichtsdestotrotz war sie sehr schockiert von den jetzigen Zuständen im Projekt. Sie hatte damals noch in einem anderen Zentrum gearbeitet, welches aber später (aus uns unbekannten Gründen) geschlossen wurde. Dadurch kam es wahrscheinlich (zum Beispiel) auch, dass bei uns aktuell so viele Kinder leben. Ein Zustand, der meiner Meinung nach keine Dauerlösung sein darf! An diesem Dienstag stand auch noch etwas Anderes, nicht so Alltägliches auf dem Programm: Gledice hatte am Nachmittag ihre Abschlusspräsentation, womit sie den zweiten Teil an der Universität endlich abschließen sollte. Nach einem 15 minütigen Vortrag und einer fast zweistündigen Fragerunde und Auswertung, stand das Ergebnis schließlich fest: 14 von 20 Punkten und somit ab sofort offiziell ENGINIEIRA der Telekommunikation! Ganz stolz war (und bin) ich auf sie! Gefeiert wurde danach mit einer riesigen Double-Pizza sowie einem weiteren Essen mit den Nachbarn am Abend. Schön, dass ich die Ehre hatte, mir ihren Vortrag anhören zu können und somit bei diesem besonderen Moment dabei gewesen sein zu können.

Das war es eigentlich auch schon wieder. Fragen, Anregungen, Confusao? Dann meldet euch bei mir durch die Kommentarfunktion! Lasst euch aus, ich schreibe doch auch alle zwei Wochen meine Gedanken für euch nieder ;)
Wie schon beim letzten Mal erwähnt werde ich schon bald eine Weile nicht mehr in Maputo sein. Es geht auf Reise, eine Reise, die mir besonders am Herzen liegt! So gut wie alles ist geplant, organisiert und auch die Vorfreude steigt immer mehr. Noch liegt eine Woche Arbeit mit den criancas, Hannahs Geburtstag und noch so einiges alltägliches vor mir, bevor ich in Kapstadt auf den Tafelberg klettern werde. Ja, wenn ihr hier sein könntet, würdet ihr jeden Tag mehr spüren, wie aufgeregt ich mittlerweile bin!

Bis dahin verbleibe ich mit vielen beijinhos und Umarmungen aus der Ferne.
Sim, estou com saudades de voces, mas ainda nao quero voltar, desculpa.


Eure Anni :)

PS; Ist euch mal aufgefallen, dass es nicht einmal mehr 150 Tage sind, bis ich wieder auf deutschem Boden stehe? Komisch...

Chapa velho...
Trabalho...
Meninos ♥
Trabalho...
Life, tira!
Kunstwerke :)
Faculdade
PIZZAAAAAAAAA!
Wenn der Weg schön ist, lass uns nicht fragen wohin er führt.